Wirtschaft : Expo-Gesellschaft will Leiharbeiter unter Tarif bezahlen

HANNOVER (AFP).Kaum ist die Expo GmbH aus den negativen Schlagzeilen um drohende Riesenverluste heraus, steht der nächste heftige Konflikt ins Haus: Die IG Metall wirft der Ausrichterin der Weltausstellung 2000 in Hannover vor, sie wolle den angeheuerten Leiharbeitern zu wenig zahlen und blockiere die Tarifverhandlungen mit der Zeitarbeitsfirma Adecco.Betroffen sind rund 7000 Beschäftigte, die Adecco als Expo-Produktpartner während der Weltausstellung exklusiv an der Expo, Aussteller und Veranstalter entleihen will.

Seit Juni 1998 verhandelt die IG Metall federführend für alle betroffenen Gewerkschaften mit Adecco über einen Tarifvertrag; er wäre der erste, der mit einer Zeitarbeitsfirma geschlossen würde.Doch derzeit sind die Verhandlungen unterbrochen, und die Beteiligten schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu.Die Gewerkschaften fordern einen Mindestlohn von 15 DM pro Stunde.Darüber habe man sich mit Adecco weitgehend geeinigt, berichtet der Vorsitzende des IG Metall-Bezirks Hannover, Hartmut Meine."Die Expo will aber nur 13 DM pro Stunde bezahlen." Hochqualifizierte Beschäftigte wie Dolmetscher oder Techniker sollen nach dem Wunsch der Gewerkschaften 25 DM pro Stunde erhalten; die Expo dagegen ist nur zu einem Stundenlohn von 19,50 DM bereit.Damit werfe die Expo GmbH den Verhandlungspartnern "Knüppel zwischen die Beine", empört sich Meine.

Die Messegesellschaft weist das freilich weit von sich: Man habe mit Adecco einen Vertrag über "marktübliche Löhne" geschlossen, hinter den man nicht zurücktreten könne, sagt Expo-Sprecherin Maribel Königer."Adecco kann gern mehr bezahlen." Die Differenz werde aber nicht die Expo tragen.Außerdem wolle sich die Expo nicht in Tarifverhandlungen einmischen.

Adecco-Geschäftsführer Torge Brandenburg lobt indes die "konstruktiven Gespräche" mit den Gewerkschaften; er ist an einem Tarifvertrag interessiert, kämen die oft als Sklavenhändler geschmähten Zeitarbeitsfirmen doch endlich aus der Schmuddelecke heraus.Brandenburg kann sich einen Lohn von 15 bis 25 DM vorstellen; dem müsse aber laut Vertrag die Expo zustimmen."Und das ist angesichts deren knapper Finanzlage eine politische Entscheidung." Brandenburg befürchtet nun, daß Adecco "zwischen die Mühlsteine" gerät."Adecco und Expo verstecken sich wechselseitig hintereinander", erregt sich IG Metall-Chef Meine.Er wolle jedenfalls nicht zusehen, wenn die Expo einerseits unter dem Thema "Mensch-Natur-Technik" Besuchermassen anziehe und im Themenpark mit dem Bereich "Zukunft der Arbeit" hausieren gehe, andererseits aber Beschäftigte unter Tarif bezahlen wolle.

Expo-Sprecherin Königer räumt ein, daß die "marktübliche" Bezahlung unter Tarif liegen könne."Wir müssen auf unser Budget schauen, gerade im Hinblick auf unsere Vorbildfunktion." Diese Vorbildfunktion sehen Gewerkschaften indessen an anderer Stelle.Sie wollen für einen Tarifvertrag kämpfen, in dem Arbeitsbedingungen und Löhne verbindlich geregelt werden.Bei einem Spitzengespräch Anfang kommender Woche wollen Expo und Gewerkschaften das Problem angehen.Einigen sie sich nicht, wollen die Gewerkschaften am 1.Mai eine Aufklärungskampagne starten.IG Metall-Funktionär Meine gibt sich optimistisch: "Wir haben zwar noch keine Belegschaft, die in den Warnstreik treten kann." Aber während der Weltausstellung sei der Bedarf an Beschäftigten immens."Und ich glaube nicht, daß jemand für zwölf Mark die Stunde arbeitet, im Schichtbetrieb und sieben Tage die Woche, wenn er woanders mehr Geld bekommt."

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