Export : Berliner Wassertechnik für die arabische Welt

Die Berlinwasser Holding (BWH), die Muttergesellschaft der Berliner Wasserbetriebe, unternimmt einen neuen Versuch, um zur Weltspitze im internationalen Geschäft mit der Wasserver- und -entsorgung aufzuschließen.

Kevin Hoffmann

Berlin - Über die Tochter Berlinwasser International (BWI) hat sich das Unternehmen mit 40 Prozent an einem Joint Venture mit der Metito Group aus Dubai beteiligt, wie BWH-Chef Frank Bruckmann am Dienstag in Berlin mitteilte.

Das Gemeinschaftsunternehmen heißt Metito Berlinwasser Limited (MBL), ist mit 1,2 Millionen Euro Stammkapital ausgestattet und hat seinen Sitz ebenfalls in dem arabischen Emirat. Es soll in den kommenden drei Jahren Investitionen mit einem Volumen von rund einer Milliarde Dollar in arabischen Staaten umsetzen. Konkret beteiligt sich MBL derzeit an Ausschreibungen für Projekte zur Wasserentsorgung in Ägyptens Hauptstadt Kairo und dem Königreich Bahrain im Persischen Golf.

BWH-Chef Bruckmann verwies auf Prognosen, wonach im Mittleren Osten und Nordafrika in den kommenden zehn Jahren rund 120 Milliarden Dollar in Wasser- und Abwasserprojekte investiert werden dürften. Die BWH, bei dem das Land Berlin 50,1 Prozent der Anteile hält, werde kein eigenes Risikokapital zur Verfügung stellen, sagte Bruckmann. „Es wird kein Geld vom Land Berlin in die Hand genommen“, betonte er. Die Berlinwasser Gruppe habe ihr Know-how in Betrieb und Management von Anlagen sowohl in Deutschland als auch international in öffentlicher-privater Partnerschaft vielfach unter Beweis gestellt. „Die Kompetenz bringen wir in das Gemeinschaftsunternehmen ein.“

Die Tochter Berlinwasser International gilt im Ausland als der führende deutsche Betreiber und Dienstleister auf dem Wassersektor. Allerdings sind vor allem in den arabischen Ländern ungleich größere Wettbewerber aktiv – wie die französische Veolia (ehemals Vivendi), die zudem mit dem westdeutschen Versorger RWE knapp die Hälfte an der Berlinwasser Holding hält.

Im Januar 2006 schien es, als hätte Berlinwasser den Durchbruch zur Weltspitze geschafft, als der japanische Mischkonzern Marubeni ankündigte, die Auslandssparte zu übernehmen und jedes Jahr 100 Millionen Euro darin zu investieren. Bis 2010 wollte Berlinwasser zu einem der weltgrößten privaten Wasserversorger aufsteigen. Aber Ende 2006 zog sich Marubeni zurück. Grund war die Weigerung der ungarischen Hauptstadt Budapest, wo BWI bei der Abwasserentsorgung beteiligt ist, einen Einstieg zuzulassen. Dort fürchtete man den Einfluss eines ausländischen Finanzinvestors auf die sensible Versorgungsbranche.

In der arabischen Welt sei es „genau umgekehrt“, sagte BWI-Chef Dieter Ernst. „Die Gründung des Joint Ventures kommt dem Trend in der Region entgegen, den privaten Sektor in staatliche Versorgungsunternehmen einzubeziehen, um Betriebe effizienter zu betreiben und die Bevölkerung sicherer zu versorgen.“ Der Partner Metito hat viel Erfahrung in der Region: Seit 50 Jahren ist das Unternehmen spezialisiert auf die Planung und den Betrieb von Entsalzungs-, Wasser- und Abwasseranlagen. Gemeinsam wolle man nicht nur in Arabien die Kräfte bündeln, sondern auch weitere Projekte auf einem noch größeren Markt anstoßen: in China – wo Berlinwasser heute schon aktiv ist. Kevin Hoffmann

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