Wirtschaft : Export hält die Wirtschaft in Schwung

Vor allem Europa und Amerika kaufen deutsche Waren – das teure Öl bremst den Handel bislang kaum

Corinna Visser

Berlin - Die Unternehmen des Groß- und Außenhandels erwarten zum Jahresende eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Situation und rechnen mit höheren Umsätzen und Erträgen. Das teilte der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) mit. „Aus diesem Grund heben wir unsere Wachstumsprognose für den Großhandel an“, sagte Verbandspräsident Anton Börner am Donnerstag in Berlin. Statt eines nominalen Umsatzzuwachses von zwei Prozent erwarte der BGA nun einen Zuwachs von vier Prozent. Bereinigt um Preiseffekte soll der Umsatz 2,2 Prozent zulegen. Zugleich aber senkte der BGA seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland von knapp einem Prozent auf 0,7 Prozent. „Ausschlaggebend für unsere Skepsis ist der schwache private Konsum, der durch die hohe Arbeitslosigkeit und schlechte Arbeitsmarktperspektiven gedämpft wird“, sagte Börner.

Der Außenhandel bleibt ein wichtiger Impulsgeber für die deutsche Wirtschaft. Die Exporte legten im Juli weiter zu, wenn auch weniger stark als in den Vormonaten. Die Unternehmen exportierten Waren im Wert von 64,2 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ebenfalls am Donnerstag mit. Damit lagen die deutschen Ausfuhren 3,2 Prozent über dem Wert von Juli 2004. Im Juni hatte das Plus gegenüber dem Vorjahresmonat jedoch noch 9,7 und im Mai 5,1 Prozent betragen. Gleichzeitig kletterte der Wert der importierten Waren – auch wegen des hohen Ölpreises – um 2,9 Prozent auf 50,1 Milliarden Euro.

Trotz der hohen Ölpreise erwarten die Konjunkturexperten des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel in diesem und im kommenden Jahr ein globales Wirtschaftswachstum von vier Prozent. Hauptmotoren für das Weltwirtschaftswachstum seien die USA und China. Die Dynamik von Produktion und Nachfrage in China sei dabei nicht nur Treiber für die Rohstoffpreise auf den Weltmärkten, sondern sei eben auch dafür verantwortlich, dass die Weltwirtschaft die hohen Preise relativ gut verkrafte.

Als Importeur und Exporteur der deutschen Wirtschaft profitiere der Großhandel von der dynamischen Außenhandelsentwicklung, sagte BGA-Präsident Börner weiter. Die schwache Dynamik der Binnenkonjunktur in Deutschland werfe allerdings auch im zweiten Halbjahr „einen Schatten auf die Umsatzentwicklung im Großhandel“, sagte Börner. Der Verband geht davon aus, dass die Wachstumsdynamik in der Branche im dritten und vierten Quartal geringfügig höher ausfällt als im abgelaufenen Dreimonatszeitraum. Der Hauptimpuls komme dabei vom Außenhandel. „Gegenwärtig glauben wir nicht, dass die Höhe des Rohölpreises die Weltkonjunktur abwürgen wird“, sagte Börner. Risikoreicher für die Entwicklung des Wirtschaftswachstums seien die Produktionsausfälle durch den Wirbelsturm „Katrina“. Eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in den USA würde auch Deutschland treffen.

Die hohe Arbeitslosigkeit „und ein nicht mehr funktionierender Arbeitsmarkt entfalten allerdings größere Bremswirkungen als die Entwicklung der Öl- und Energiepreise in Deutschland“, beklagte Börner. Im Hinblick auf die bevorstehende Bundestagswahl fügte der Verbandspräsident hinzu: „Die Unternehmen sagen ganz deutlich, wir brauchen eine schwarz-gelbe Koalition.“ Eine große Koalition könne die notwendigen Reformen nicht angehen. Wenn alles so bleibe wie jetzt, werde es keine neuen Arbeitsplätze, keine Investitionen und kein Wachstum in Deutschland geben.

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