Wirtschaft : Export stärkt derWirtschaft der Rücken

Konjunkturkolumne Tagesspiegel Handelsblat

Aber Einzelhandel sieht besorgt in die ZukunftKonjunkturkolumne von Tagesspiegel und Handelsblatt, April 1997

Seit Anfang des Jahres veröffentlicht der Tagesspiegel in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt einmal monatlich eine Konjunkturkolumne.Abgestimmt mit dem Handelsblatt, das Prognoseinstrumente für West- und Ostdeutschland entwickelt hat, werfen wir einen Blick auf die gesamtdeutsche Wirtschaftslage.Neben einer Analyse der Auftragseingänge fragen wir auch nach den Erwartungen der Unternehmen und beobachten die aktuellen Zinstrends. Die deutsche Wirtschaft fährt weiter auf Wachstumskurs.Der Handelsblatt-Frühindikator für Westdeutschland ist nach Februar und März erneut angestiegen und lag im April bei 1,7 Prozent.Dieser Indikator zeigt frühzeitig konjunkturelle Wendepunkte an, indem er auf fünf verschiedenen Einzelindikatoren, wie etwa den Auftragseingängen im Verarbeitenden Gewerbe oder den Einzelhandelsumsätzen basiert und sie gewichtet.Er eilt der gesamtwirtschaftlichen Produktionsentwicklung um ein Vierteljahr voraus und signalisiert so saisonbereinigte Trends des realen Bruttoinlandsprodukts. Vor allem im Verarbeitenden Gewerbe blicken die Firmen laut einer Umfrage des Ifo-Instituts optimistisch in die Zukunft, besonders wegen des weiter anziehenden Exports.So konnten die Inlandsaufträge im Januar ihren saisonbereinigten Stand vom Vormonat zwar nur knapp behaupten, doch die Auslandsnachfrage kletterte um acht Prozent.Verglichen mit dem Vorjahr liegt das Plus hier sogar bei 13 Prozent.Insgesamt wuchs das Auftragsvolumen im Januar binnen Jahresfrist um 4,7 Prozent.Dagegen ist die Lage im westdeutschen Einzelhandel unklar.Im Januar kletterten die Umsätze saisonbereinigt gegenüber Dezember um 2,7 Prozent, nur könnten dies noch die Nachwirkungen des Weihnachtsgeschäftes sein.Nach einer Umfrage der BBE-Unternehmensberatung erwarten über zwei Drittel der befragten Händler wegen der Steuerreform keine größere Kaufbereitschaft.Fast die Hälfte befürchtet stagnierende Erlöse. Noch düsterer blicken die Baufirmen in die Zukunft.Dort sackten die Bestellungen im Januar nochmals um 4 Prozent ab, besonders durch den Nichtwohnungs- und Tiefbau.Selbst der Wohnungsbau stoppt diesen Trend nicht mehr, in den letzten vier Monaten des vergangenen Jahres sank dort die Nachfrage um ein Fünftel.Grund sind wohl die verschlechterten Abschreibungsbedingungen für Investoren und sinkenden Mieten.An den Zinsen dürfte die Zurückhaltung dagegen kaum liegen.Der Dreimonatszins Fibor ­ das ist der Durchschnittszins der Banken, zu dem sie bereit sind, den Unternehmen Geld zu leihen ­ stieg zwar leicht um 0,05 Prozentpunkte auf 3,19 Prozent.Die durchschnittliche Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere fiel aber weiter auf 4,9 Prozent. Ähnlich flott wie im Westen dampft der Konjunkturzug im Osten.Das Handelsblatt-Konjunkturbarometer für die neuen Bundesländer sprang im März um 0,5 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent.Dieses Barometer funktioniert ähnlich wie der Frühindikator, allerdings sind es etwas andere Einzelindikatoren ­ und sie sind anders gewichtet.Auch die Jahreswachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts der fünf neuen Länder zieht wieder an und liegt mit zwei Prozent knapp über dem Vorquartalswert.Im Verarbeitenden Gewerbe blicken die Firmen laut Ifo-Angaben weiter überwiegend optimistisch nach vorn und haben im Februar die gegenwärtige Lage besser eingeschätzt ­ besonders den Export.Das wird durch die Entwicklung der Auftragseingänge unterstützt: Die Inlandsnachfrage kletterte im Januar um fünf Prozent gegenüber ihrem Vorjahresstand, die Auslandsbestellungen gar um fast 40 Prozent, wobei Industriegüter besonders begehrt sind.Dagegen hat die Baubranche weiter zu kämpfen, die Nachfrage lag im Januar um fast 12 Prozent unter dem Vorjahreswert.Vor allem der kränkelnde Hochbau (ohne Wohnungsbau) und der Straßenbau macht den Firmen zu schaffen.Immerhin konnte der Wohnungsbau verglichen mit dem Vorjahr um 12 Prozent zulegen. Einen schweren Rückschlag hat nach Ifo-Angaben dagegen der ostdeutsche Einzelhandel im Februar erlitten, besonders ihre aktuelle Lage sehen die Firmen düster.Eine genaue Erklärung dafür gibt es nicht.Wahrscheinlich hatten viele Verbraucher im Januar Weihnachtskäufe nachgeholt, was die Händler flugs an eine bessere Zukunft glauben ließ.

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