Exporte : Der Weltmeister schwächelt

Die deutschen Exporte brechen um fast ein Viertel ein. Autos und Maschinen sind weniger gefragt.

Stefan Kaiser
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Berlin - Die deutschen Exporte sind zu Jahresbeginn so stark eingebrochen wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes haben die deutschen Unternehmen im Februar Waren im Wert von 64,8 Milliarden Euro ins Ausland verkauft – 23,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Ähnlich drastisch war der Einbruch bereits im Januar. Der Außenhandelsverband BGA sprach am Mittwoch von einem „weltweit massiven Rückgang“ der Exporte.

Deutschland leidet wie kaum ein anderes Land unter dem Zusammenbruch des Welthandels. Über Jahrzehnte war der Export der wichtigste Wachstumsmotor für die hiesige Wirtschaft. Vor allem deutsche Autos und Maschinen sind in der Welt gefragt. 2008 lieferte Deutschland noch Waren im Wert von rund einer Billion Euro ins Ausland und verteidigte damit seinen inoffiziellen Titel als Exportweltmeister knapp vor China. Jeder fünfte Arbeitsplatz hängt hierzulande vom Export ab.

Doch seit dem vergangenen Herbst schrumpfen die Exporterlöse dramatisch. Als Erstes brach die Nachfrage in den USA ein, dann folgten Asien und die europäischen Länder, in die traditionell gut drei Viertel der deutschen Ausfuhren gehen. Im Februar war der Rückgang in den Ländern am stärksten, die zwar der EU, aber nicht der Eurozone angehören, also etwa Großbritannien und die meisten osteuropäischen Staaten.

Ein Grund für den Einbruch des Welthandels hängt direkt mit der Finanzkrise zusammen: So wird ein großer Teil des internationalen Handels traditionell über Exportkreditversicherungen oder Garantien von Banken (Akkreditive) abgesichert. Die Banken halten sich derzeit aber so sehr zurück, dass der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nun den Staat auffordert, mit Kreditversicherungen einzuspringen. „Die deutschen Exportunternehmen benötigen schnell und unkompliziert Liquidität“, forderte der BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf am Mittwoch in Berlin. „Sonst wird die Finanzierung zum Engpass für deutsche Ausfuhren.“

Auch der BGA befürchtet Schlimmes: Für das Gesamtjahr 2009 rechnet der Außenhandelsverband mit einem Umsatzrückgang von bis zu 15 Prozent. Es wäre das erste Minus seit 1993 und das größte seit Gründung der Bundesrepublik. Doch es gibt auch Optimisten. So hofft der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) auf eine Stabilisierung in den kommenden Monaten. „Die deutschen Ausfuhren sind weiter sehr schwach, aber der Absturz ist deutlich gebremst worden“, sagte DIHK-Experte Axel Nitschke der Agentur Reuters. So seien die Exporte im Februar saison- und kalenderbereinigt im Vergleich zum Januar nur noch um 0,7 Prozent geschrumpft.

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