Wirtschaft : Exporte nach China legen deutlich zu

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist am Mittwoch mit einer Wirtschaftsdelegation zu einem dreitägigen Besuch in Peking eingetroffen. In Anwesenheit Schröders und des chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji unterzeichneten Unternehmensvertreter Verträge mit einem Volumen von rund 8,4 Milliarden Mark. Schröder verwies auf die "eindrucksvolle Zahl" gemeinsamer Wirtschaftsprojekte. Gerade in einer Situation, in der die schwache US-Konjunktur negative Auswirkungen auf den Welthandel habe, sei der Ausbau des bilateralen Handels umso wichtiger. Dies schaffe zusätzliche Sicherheit für Konjunktur und Arbeitsplätze in Deutschland.

Der Chemie-Konzern BASF unterzeichnete ein Abkommen, wonach der chinesischen Regierung eine Machbarkeitsstudie für ein Joint Venture vorgelegt werden soll, das eine Milliarde Dollar umfassen soll. Partner ist das US-Chemie-Unternehmen Huntsman Polyurethames und ein chinesisches Unternehmen. Die Machbarkeitsstudie über eine Chemie-Fabrik in der Nähe von Schanghai solle der Regierung bis Ende der Woche vorgelegt werden, teilte BASF mit.

Daneben will die Bayer AG in einen Chemie-Park in der Nähe von Schanghai investieren ( siehe Artikel ). Zhu begrüßte die Vereinbarungen, die seit langem vorbereitet wurden. Am Donnerstag werden 26 weitere Verträge unterzeichnet. Sie zeigten, dass Deutschland nicht nur der größte europäische Handelspartner Chinas sei, sondern auch der größte Investor. Beide Regierungschefs hätten auch "positiv perspektivisch" über den Kauf von 30 bis 50 Flugzeugen vom Typ Airbus A 320 gesprochen, sagte der Kanzler. Man habe aber vereinbart, darüber keine Erklärungen abzugeben.

Die mitgereisten Wirtschaftvertreter zeigten sich zufrieden mit der Kanzler-Reise. "Reisen mit hohen Regierungsdelegationen haben in zentral regierten Ländern wie China eine hohe Bedeutung. Wir sind sehr froh, dass so etwas stattfindet", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogoswki, dem Tagesspiegel. In den letzten Jahren sei "viel in Richtung Außenwirtschaftsförderung geschehen".

Auch der Siemens-Chef Heinrich von Pierer, ebenfalls Mitglied der Delegation, äußerte sich positiv. "Die politische Flankierung unserer Arbeit halte ich für außerordentlich wichtig", sagte von Pierer dem Tagesspiegel. Besonderes Augenmerk legt der Siemens-Lenker auf das Transrapid-Projekt in Schanghai. "Das ist für die Chinesen ein außerordentlich wichtiges Projekt, bei dem sie voll auf die deutsche Technik setzen", sagte von Pierer. Der Transrapid habe Symbolcharakter für die deutsch-chinesische Zusammenarbeit. Daher sei es besonders wichtig, dass Zug und Technik einwandfrei funktionieren und auch termingerecht übergeben werden.

Den gesamten asiatischen Wirtschaftsraum hält BDI-Präsident Rogowski für einen der wichtigsten Wachstumsmärkte weltweit, der aber auch seine "Auf und Abs" hat. Einen großen Nachholbedarf habe Asien insbesondere bei Infrastrukturprojekten und Industrieprodukten. Rogowski: "Das reicht von der Elektrotechnik über die Chemie bis zum Maschinenbau. Von daher können wir dieser Region gar nicht genug Beachtung schenken."

Schröder hatte vor seiner China-Reise Pakistan und Indien besucht und will anschließend nach Russland weiterreisen. Diplomaten zufolge hat Schröders China-Reise vor allem wirtschaftliche Bedeutung. Im vergangenen Jahr war das Handelsvolumen um 35 Prozent auf rund 54 Milliarden Mark gegenüber 1999 gestiegen. In den ersten sieben Monaten 2001 stieg der deutsche Import aus China nach Angaben der deutschen Botschaft um 11,1 Prozent auf 21 Milliarden Mark, während die Exporte nach China um 40 Prozent auf 13 Milliarden Mark zunahmen. Deutschland ist der wichtigste europäische Handelspartner der Volksrepublik China, während China für Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner in Asien ist.

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