Exportnationen : China hängt deutsche Industrie ab

Eine Studie sieht hiesige Unternehmen in Indien oder Brasilien im Hintertreffen. Aber die Exporteure geben sich gelassen.

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Auch wenn der deutsche Maschinenbau in einigen Märkten mengenmäßig hinter China zurückfällt - die Qualität mache den Unterschied, sagen die Hersteller.
Auch wenn der deutsche Maschinenbau in einigen Märkten mengenmäßig hinter China zurückfällt - die Qualität mache den Unterschied,...Foto: dpa

Berlin - Exportnation Nummer eins, das war einmal. Bereits 2009 verlor Deutschland diesen Titel an China. Einer aktuellen Studie zufolge gerät die deutsche Industrie sogar immer weiter ins Hintertreffen. In Europa sei sie zwar nach wie vor stark in ihren Paradedisziplinen Maschinenbau, Chemie, Fahrzeugbau sowie Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik. In Industrieländern außerhalb Europas und mehr noch in großen Schwellenländern verliere Deutschland aber rasant Marktanteile an China. Zu diesem Ergebnis kommt eine Prognos-Studie, die die Bertelsmann-Stiftung am Donnerstag in Gütersloh vorstellte.

Punkten können die deutschen Maschinenbauer, Autohersteller und Chemiekonzerne demnach vor allem in Europa. Doch auch in Kernländern der EU wie Frankreich, Großbritannien und Italien komme China inzwischen zum Zuge, die Wachstumsdynamik deutscher Importe habe dort im abgelaufenen Jahrzehnt nachgelassen. In den USA und Japan hätten chinesische Maschinenbauer und Chemieunternehmen bereits die Nase vorn, schreiben die Forscher weiter.

In den großen Schwellenländern Brasilien und Indien habe sich bislange keine der deutschen Schlüsselbranchen als führend durchsetzen können. China sei Deutschland dort mit Ausnahme des Fahrzeugbaus dicht auf den Fersen oder sogar vorbeigezogen. Immerhin spiele Deutschland als einziges europäisches Land eine nennenswerte Rolle. Die Schlussfolgerung: Die deutsche Industrie könnte den Anschluss in wichtigen Zukunftsmärkten verlieren. Gleichzeitig könnten die Hauptkonkurrenten ihre Wettbewerbsposition zumindest mengenbedingt stärken. Die Hauptursache für die vermeintliche Schwäche sehen die Autoren der Studie in der zu großen Konzentration auf den chinesischen Markt. Zudem seien deutsche Produkte für Märkte der Schwellenländer oft zu teuer.

Für die deutsche Industrie sind die genannten Fakten nicht wirklich neu. Schon seit drei Jahren seien die chinesischen Maschinenbauer der führende Importeur in Indien, sagt Oliver Wack vom deutschen Branchenverband VDMA. „Wir nehmen den Wettbewerb sehr ernst.“ Die düstere Prognose der Forscher teilt der Verband aber nicht. Die Exportquote deutscher Maschinen- und Anlagenbauer sei stabil: Drei von vier Maschinen gehen ins Ausland. Auch komme es nicht nur auf die Masse an: Es sei eben ein Unterschied, ob chinesische Unternehmen einfache Klimaanlagen nach Brasilien lieferten oder deutsche Firmen Klimasysteme für Gebäudekomplexe. Simon Frost

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