Wirtschaft : Exportrückgang: Der Außenhandel zeigt erste Ermüdungszeichen

Frankfurt (Main) (dpa). Der deutsche Exportboom zeigt erste Ermüdungserscheinungen. Obwohl die gesamten Ausfuhren 2000 mit mehr als 1,1 Billionen Mark einen neuen Spitzenwert markieren, hat sich das Tempo der Zuwächse verlangsamt. Im November wurden Waren im Wert von 110,7 Milliarden Mark exportiert. Das waren immerhin 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist, berichtete das Statistische Bundesamt. Der bisherige Exportrekord vom Oktober mit 111,3 Milliarden Mark konnte allerdings nicht wieder erreicht werden. Saisonbereinigt ergibt sich im November sogar ein Rückgang der Ausfuhren zum Vormonat von etwa 2,5 Prozent.

Vor allem die Branchen Auto, Maschinenbau und Elektro verzeichneten überdurchschnittliche Erfolge im Export. Von Januar bis November zogen die Lieferungen ins Ausland um 17,5 Prozent auf 1070 Milliarden Mark an. Damit wurde erstmals die Schwelle von einer Billion Mark überschritten. Knapp die Hälfte der Ausfuhren (467 Milliarden Mark) gingen in die Eurozone und waren damit nicht mehr Währungsschwankungen ausgesetzt. Dies entspricht einem Zuwachs von 15,5 Prozent. Der schwache Euro sorgte für Rückenwind im Handel mit der übrigen Welt. Die Exporte in Drittländer expandierten überproportional um 21 Prozent auf 463 Milliarden Mark.

Auch auf der Einfuhrseite kam es zu deutlichen Steigerungen. Dies beruhte allerdings nicht in erster Linie auf einer Zunahme der Warenströme. Vielmehr haben die extrem gestiegenen Ölpreise und der gesunkene Eurokurs den Importwert massiv aufgebläht. Deshalb erreichten die Einfuhren im November erstmals einen Wert von mehr als 100 Milliarden Mark. Für Januar bis November ergibt sich damit ein Einfuhrwert von 969 Milliarden Mark (plus 22,3 Prozent). Auf Grund der inzwischen wieder deutlich gesunkenen Ölpreise dürften die Importzahlen in den nächsten Monaten aber wieder zurückgehen.

Dennoch wird die Bundesrepublik 2000 wegen des Währungs- und Ölfaktors mit einem niedrigeren Überschuss in der Handelsbilanz abschließen. 1999 erreichte das Plus im Außenhandel 128 (Vorjahr: 127) Milliarden Mark. Für das abgelaufene Jahr ist dagegen nur noch mit einem Aktivsaldo von 110 Milliarden Mark zu rechnen. Damit dürfte auch das Defizit in der Leistungsbilanz weiter zunehmen, und zwar auf mehr als 50 (1999: 35,5) Milliarden Mark.

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