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Exportspielzeug : Made in Germany? Made in China!

16.09.2007 00:00 UhrVon Heike Jahberg, Larissa Klatt

Deutsche Traditionsfirmen warnen davor, China zu verteufeln. Denn ohne geht es nicht, sagen sie. Wichtig sind gute Kontrollen.

Berlin - Während die Politik über Importverbote und strengere Gütesiegel für chinesisches Spielzeug nachdenkt, brechen namhafte deutsche Spielzeughersteller eine Lanze für die Volksrepublik. Sie warnen davor, Spielzeug aus China pauschal zu verteufeln. „China kann jede Qualität fertigen“, sagte Playmobil-Geschäftsführerin Andrea Schauer dem Tagesspiegel am Sonntag. „Man sollte jetzt den Standort nicht niederreden.“ Auch das fränkische Unternehmen lässt einen kleinen Teil seines Zubehörs in China herstellen – ohne Probleme.

Doch die Politik sieht das anders. Nach den jüngsten Rückrufaktionen der US-Firmen Mattel und Toys ’R’ Us, die in den vergangenen Wochen mehrfach gefährliches Spielzeug „Made in China“ aus dem Verkehr ziehen mussten, werden die Rufe nach Sanktionen lauter.

Die Verbraucherschutzminister von Bund und Ländern wollen das vom Tüv verliehene, deutsche GS-Zeichen europaweit einführen. Der Vorsitzende der Verbraucherministerkonferenz, der CDU-Politiker Peter Hauk, denkt laut über Importverbote für Produkte ohne GS-Siegel nach.

Die Debatte lässt auch Eltern nicht kalt. Immer mehr Väter und Mütter wollen kein Spielzeug aus China mehr kaufen. Sie haben Angst, ihre Kinder könnten von der bleihaltigen Farbe, die in chinesischer Ware gefunden wurde, krank werden oder Kleinteile verschlucken, die sich vom Spielzeug lösen. „Viele Kunden wollen wieder sichere deutsche Produkte haben“, heißt es beim Berliner Spielwarenhändler Spiele-Max.

Doch selbst wenn die Händler mehr deutsche Waren ordern wollten, sie könnten es nicht. Denn was zum Weihnachtsgeschäft im Laden liegt, hat Spiele-Max bereits im Frühjahr bei den Herstellern bestellt. Hinzu kommt: Deutsche Spielzeugfirmen können ihre Produktion nicht beliebig hochfahren. Beispiel Playmobil: Verglichen mit dem Vorjahr verzeichnen die Franken in diesem Jahr bereits einen Auftragszuwachs, der im „hohen zweistelligen Bereich“ liegt. „Wir können nicht noch mehr drauf packen, wenn wir weiterhin Qualität und Sicherheit gewährleisten wollen“, sagt Geschäftsführerin Schauer.

Rund 80 Prozent des Spielzeugs auf dem Weltmarkt stammt aus China. Auch viele europäische Hersteller lassen zumindest Teile dort produzieren. Bei Playmobil sind es rund zwei Prozent des Sortiments, etwa Blinklichter für die Polizeiautos. Lego lässt drei Prozent seiner Gesamtproduktion in China herstellen, vor allem Elektroteile oder Stoffzubehör bei Spielzeugen. Und auch das deutsche Traditionsunternehmen Schleich, das seit 70 Jahren kleine Tiere, Ritter und Schlümpfe herstellt, kommt ohne Zulieferung aus China nicht aus. „Alle unsere Figuren sind handbemalt“, sagt Norbert Gneiding, Informationsbeauftragter der Firma Schleich GmbH. „Wenn wir alles in Deutschland produzieren ließen, wären unsere Figuren unbezahlbar.“ Dass Schleich, Playmobil und Lego anders als Mattel von Rückrufaktionen wegen Produktionsmängeln ihrer chinesischen Zulieferer verschont geblieben sind, mag an den aufwendigen Kontrollen liegen, mit denen sie die Produktion in Fernost überwachen. Alle Firmen kontrollieren sowohl vor Ort als auch in Deutschland. Dennoch räumen sie ein, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht geben kann. „Um zu überprüfen, ob die Farbe bleihaltig ist, müsste man sie bei jeder Figur abkratzen. Aber dann wäre die Figur zerstört“, gibt Schleich-Sprecher Gneiding zu bedenken.

Auch Sicherheitsexperten sagen offen, dass ein lückenloser Schutz nicht möglich ist. Selbst bei flächendeckenden Kontrollen bleiben Schlupflöcher, berichtet Jörg Meyer zu Altenschildesche, Sprecher des Tüv Rheinland. Der Tüv kennt sich aus. Mit 24 Labors in China sind die Rheinländer die größte deutsche Prüforganisation in der Volksrepublik. Und sie kennen alle Tricks: Wenn eine Schnorchelausrüstung für Kinder Weichmacher enthält, kann der Hersteller sie einfach als „Sicherheitsausrüstung“ deklarieren und nicht als „Spielzeug“. Schon kann das Produkt die Grenze passieren.

Dennoch zahlen sich die Kontrollen aus, meint Meyer zu Altenschildesche. Beim Tüv Rheinland sind die Durchfallraten bei der Erstprüfung signifikant. 50 Prozent der geprüften Produkte werden nicht mit dem für die Hersteller begehrten GS-Zeichen versehen, weil sie den Sicherheitsansprüchen des Tüvs nicht genügen. Die Hersteller erhalten nach der Prüfung Hinweise, wie sie ihr Spielzeug kindersicher produzieren können. Bei der nächsten Prüfung gehören sie dann meist zu den anderen 50 Prozent, die es durch den Tüv schaffen.

Aber nicht nur die Hersteller, auch die Händler sind sensibilisiert: „Wir verstärken unsere eigenen Kontrollen und nehmen Lieferanten aus China noch stärker unter die Lupe als wir das ohnehin schon seit Jahren tun“, betont Stephan Bercher, der bei der Spielzeughandelsgruppe Vedes die Marketingabteilung leitet. Auch Karstadt will mehr Stichproben durchführen, um die Produktsicherheit zu erhöhen, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Aus Sorge um seine Absatzmärkte will jetzt aber auch China tätig werden. In der vergangenen Woche reisten Vertreter der Volksrepublik in die USA und trafen sich dort mit Mitarbeitern der US-Verbraucherschutzbehörde CPSC. Bei dem Treffen hätten die Chinesen versprochen, einen Plan zu erarbeiten, wie man die Verwendung bleihaltiger Farbe bei Exportspielzeug verhindern kann, berichteten die US-Verbraucherschützer nach den Gesprächen.

Wie in Deutschland, so ist auch in den USA – dem Sitz der betroffenen Konzerne Mattel und Toys ’R’ Us – die Nervosität groß. In der vergangenen Woche bestellte der US-Senat Mattel-Chef Robert Eckert und Gerald Storch von Toys ’R’ Us ein, um sie nach den Gründen der jüngsten Skandale und den Konsequenzen für ihre Geschäftspolitik zu befragen.

Die EU fährt noch härtere Geschütze auf. Brüssel droht offen mit einem Einfuhrverbot. „Wenn China bis Oktober keine ausreichende Antwort auf unsere Anfrage zu Sicherheitsmängeln gibt, werden wir bestimmte Produkte wie zum Beispiel Spielzeug sperren“, droht EU-Verbraucherschutzkommissarin Meglena Kuneva. Für deutsche Kinder könnte das dann ein trauriges Weihnachtsfest werden.

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