Exportstatistik : Berlins Wirtschaft profitiert vom Fracking in den USA

Berlins lokale Wirtschaft profitiert besonders stark davon, dass die USA die umstrittene Gasfördertechnologie Fracking einsetzen. Der Grund: Die Amerikaner haben viel billiges Gas. Um Strom daraus zu machen kaufen sie Gasturbinen aus Moabit.

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Dreht doch. Fertigung einer Gasrturbine (Modell SGT6-8000) im Siemens Werk Berlin-Moabit.
Dreht doch. Fertigung einer Gasrturbine (Modell SGT6-8000) im Siemens Werk Berlin-Moabit.Foto: Siemens AG

Laut Umfragen lehnt es eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung ab, dass hierzulande mit Hilfe des Frackings nach Gas gebohrt wird. Zumindest die lokale Wirtschaft Berlins profitiert aber zugleich von dem Boom, den diese Technologie in den USA erlebt. Das geht aus einer umfangreichen Analyse der Exportzahlen hervor, die die IBB am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach wurden im Untersuchungszeitraum 2008 bis 2012 aus Berlin in die USA vor allem mehr Kraftmaschinen, darunter Turbinen für Gaskraftwerke, geliefert. Berliner Betriebe konnten den Export in die USA innerhalb von fünf Jahren auf rund 118 Millionen (2012) fast verfünffachen. Insgesamt exportierten Berliner Betriebe, allen voran Siemens’ Gasturbinenwerk in Moabit, zuletzt Kraftmaschinen im Wert von 1,3 Milliarden Euro in alle Welt.

Das vor fünf Jahren noch fast bedeutungslose Segment löste damit die Pharmazeutischen Erzeugnisse als Exportgruppe Nummer eins ab - obwohl das Siemens-Werk selbst Sparzwängen unterliegt.

Der Gesamtwert der aus Berlin exportierten Tabletten fiel seit 2008 um 181 Millionen auf 1,28 Milliarden Euro.

IBB-Chefvolkswirt Hartmut Mertens führte diese kräftige Steigerung beim Kraftmaschinen-Export vor allem auf den Umstand zurück, dass die USA zunehmend Erdgas nutzen. Hintergrund ist die flächendeckende Anwendung der Fracking-Technologie, bei ein Wasser-Chemikalien-Cocktail in tiefes Gestein gepresst wird, um dort eingeschlossenes Gas freizusetzen. So wurde der Erdgas billig und löst zunehmend die klimaschädlichere Kohle bei der Stromerzeugung ab. Mertens verwies auf Prognosen, wonach die USA in den kommenden Jahren noch 175 ältere Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzen wollen. „Somit hat Berlin auch künftig gute Exportchancen in diesem Sektor“, sagte er. Auch in Polen gewinne das Fracking an Bedeutung.

Die USA bleiben mit einem Gesamtexportvolumen von 1,43 Milliarden Euro das wichtigste Zielland für Berlins Güter – vor Russland, Frankreich und Saudi-Arabien. Insgesamt exportierte Berlin 2012 Waren im Wert von 13,67 Milliarden Euro, das waren 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr 2011. Der Export von Tabak und Tabakprodukten legte – wohl wegen Philip Morris’ Fabrik in Berlin-Neukölln – ebenfalls kräftig zu, wie auch die Ausfuhr von Schienenfahrzeugen – etwa vom Hersteller Stadler Pankow.

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