Wirtschaft : Exportweltmeister – Titel ohne Wert

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Gute Nachrichten zu finden ist in Zeiten der Konjunkturflaute nicht einfach. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ist es trotzdem gelungen: Deutschland war 2003 Exportweltmeister. Also kann es so schlecht um uns nicht stehen. Sagt er. Doch Ökonomen sehen die vermeintliche Meisterleistung mit Skepsis. Denn die Statistik trügt: Der Wert der ins Ausland verkauften Waren lag im vergangenen Jahr zwar weltweit an der Spitze. Über die Arbeitsplätze und die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik sagt dies aber wenig aus. Denn immer häufiger werden Produkte hier zu Lande nur noch zusammengeschraubt. Die Herstellung der Vor und Zwischenprodukte findet im Ausland statt – dort ist die Arbeit oft billiger.

Zwar hält die amtliche Statistik nicht fest, welche Schraube in Schwaben oder Bayern und welche in Tschechien oder Südchina produziert wurde. Trotzdem gibt das Zahlenwerk Aufschluss: Bis Mitte der neunziger Jahre stiegen Wertschöpfung und Produktion in der Industrie etwa im Gleichlauf. Seit 1995 aber wächst die Wertschöpfung mit deutlich geringeren Raten. Dazu passt, dass seitdem zehn von hundert deutschen Fabrikarbeitern ihre Stelle verloren haben. Im Zuge von Globalisierung und wachsender Arbeitsteilung wird vieles im Ausland hergestellt, von deutschen Firmen eingekauft und als fertiges Auto oder neue Druckmaschine nach Übersee verkauft. Das ist zwar gut für die Zahlen – aber Gift für die Beschäftigung. brö

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