Wirtschaft : Exportwirtschaft: Gewinnwarnungen und Unsicherheit

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Fluggesellschaften und Versicherungskonzerne gehören zu den Branchen, die von den verheerenden Terroranschlägen in den USA direkt betroffen sind. Einbußen erwartet aber auch die deutsche Exportwirtschaft. "Wir rechnen damit, dass sich der erhoffte Konjunkturerholungsprozess in den USA um ein bis zwei Quartale verzögern wird", sagte Hans-Jürgen Müller, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). Darunter würden vor allem die Automobil-, Chemie- und Elektronikbranche leiden. Ursprünglich hatte der Außenhandel auf eine Erholung der US-Konjunktur zum Jahresende gehofft. "Für dieses Jahr rechnen wir weiterhin mit einem Zuwachs von je acht Prozent bei den Ex- und Importen", sagte Müller. Das Flugverbot nach den Anschlägen wird dagegen nach Einschätzung des BGA kaum Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft haben. "Der Luftfrachtanteil am gesamten Transport ist verschwindend gering", sagte Müller.

Unmittelbar betroffen ist jedoch die Deutsche Post. Es sei mit negativen Auswirkungen auf die Umsatz- und Ergebnissituation für das Luftfrachtunternehmen DHL und den Schweizer Spediteur Danzas zu rechnen, teilte die Deutsche Post World Net AG mit. Das Gesamtergebnis für das laufende Jahr werde jedoch "im Rahmen der im Kapitalmarkt kommunizierten Werte gehalten".

Allianz erwartet weniger Gewinn

Allianz hat bereits ihre Ergebnisprognose für dieses Jahr korrigiert. Nach ersten Schätzungen gehe die Allianz Gruppe von einer Schadenbelastung von bis zu 700 Millionen Euro (1,365 Milliarden Mark) aus, teilte der Versicherungskonzern mit. Dadurch werde das prognostizierte Ergebnis erheblich belastet. Insgesamt rechnet das Unternehmen jetzt mit einem Jahresüberschuss für das laufende Geschäftsjahr von knapp über zwei Milliarden Euro, verglichen mit 2,4 Milliarden Euro (bereinigt um steuerliche Sondereffekte) im Jahr 2000.

Ob auch die deutschen Autokonzerne ihre Prognosen für das laufende Jahr reduzieren müssen, ist noch offen. Für die deutsche Autoindustrie spielt der US-Export jedenfalls eine herausragende Rolle. Vor allem die Hersteller VW, Audi, BMW, Mercedes und Porsche konnten im bisherigen Jahresverlauf die relative Schwäche des deutschen Marktes über steigende Lieferungen nach Übersee mehr als ausgleichen. Von Januar bis Juni legten die Auto-Exporte in die USA um neun Prozent auf 20,3 Milliarden Mark zu. Damit geht ein Sechstel des Autoexports auf das Konto der USA.

Bei Daimler-Chrysler und VW hieß es, es sei noch zu früh, um eine Prognose über die Entwicklung auf dem US-Markt abzugeben. "Wir sind noch mit der menschlichen Seite der Katastrophe beschäftigt," sagte eine BMW-Sprecherin. Entgegen erster Annahmen habe BMW doch eine Mitarbeiterin verloren. Sie sei in einem der zum Absturz gezwungenen Flugzeuge gewesen, sagte die Sprecherin. Aussagen zum eigenen Geschäft seien dagegen wegen der noch völlig unübersichtlichen Lage derzeit nicht möglich.

Die ebenfalls stark im US-Geschäft engagierte Siemens AG sieht vorerst keine Veranlassung, mögliche Auswirkungen der Terrorangriffe in den USA auf ihre Geschäftsprognosen für dieses Jahr abzuschätzen. Es sei noch nicht absehbar, wann und ob man überhaupt wegen des Terrors Aussagen zum Geschäftsverlauf machen könne, sagte eine Sprecherin. Der Elektronikkonzern, der im zerstörten World Trade Center für 73 Mitarbeiter Büros bezogen hatte, muss in den eigenen Reihen einen Schwerverletzten beklagen. Alle anderen von den Anschlägen betroffenen Mitarbeiter seien wohlauf.

Die USA sind auch für den Maschinenbau wichtigster Absatzmarkt. Bei einem Exportanteil von 12,5 Prozent werden in den USA für gut 20 Milliarden Mark Maschinen und Anlagen in diesem Jahr verkauft. Im ersten Halbjahr nahmen die Lieferungen um 8,1 Prozent auf 10,5 Milliarden Mark zu. Da zwischen Auftrag und Auslieferung im Schnitt vier bis sechs Monate vergehen, würden rückläufige Bestellung erst 2002 negative Spuren in den Bilanzen zeigen, sagte der Sprecher des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Alexander Batschari. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die US-Wirtschaft auch weiterhin investiert, um international konkurrenzfähig zu bleiben. "Panikmache ist kein guter Ratgeber", sagte Batschari. Im Falle eines Vergeltungsschlages sei eine zuverlässige Einschätzung der Folgewirkungen auf die ohnehin fragile Weltkonjunktur kaum möglich.

Weniger Nachfrage nach Luxus

Der weltgrößte Luxusartikelkonzern LVMH (Moet Hennessy Louis Vuitton) stellt sich nach den Terroranschlägen in den USA jedenfalls auf Einbußen in seinem Geschäft ein. Das Betriebsergebnis könne voraussichtlich nur mehr zwischen fünf und zehn Prozent gesteigert werden. Noch 48 Stunden zuvor hätte er ein Ziel von 15 Prozent verkündet, sagte Konzernchef Bernard Arnault am Donnerstag in Paris.

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