Wirtschaft : Extra-Schalter für die „neue“ Bahncard Kundenansturm erwartet

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Berlin (dpa). Die Bahn rüstet sich für eine große Nachfrage nach der am Freitag wieder erhältlichen Bahncard mit dem alten 50Prozent-Rabatt. Neben 500 zusätzlichen Servicekräften in großen Bahnhöfen sollen 150 Auszubildende Reisenden beim Ticketkauf am Automaten helfen, wie die Bahn am Mittwoch mitteilte. In Reisezentren sollen 60 Extra-Schalter für Verkauf und Umtausch von Bahncards öffnen. Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch bat die Kunden um Verständnis für mögliche längere Wartezeiten vor allem in den ersten Tagen.

Mit der Umstellung baut die Bahn ihr erst im Dezember gestartetes neues Tarifsystem nach nicht einmal neun Monaten erneut radikal um. Neben der Rückkehr der „alten“ Bahncard 50 wird das System der Sparpreise für Frühbucher vereinfacht. Künftig gibt es nur noch zwei Rabattstufen von 25 und 50 Prozent. Die weiter gültige Bahncard mit 25 Prozent Rabatt kann nur noch bis 30. September 2004 mit diesen Sparpreisen kombiniert werden. Die Bahncard 50 kostet 200 Euro statt einst 140 Euro. Dafür bekommen bis zu vier Mitfahrer ebenfalls Rabatt. Zum Preissystem hat die Bahn folgende Telefon-Hotline geschaltet: 0 18 05/3 55 55 3.

Bahnchef Hartmut Mehdorn zeigte sich zuversichtlich, schnell Vertrauen bei den Kunden zurückzugewinnen. Nach monatelanger Kritik hatte der Vorstand die Änderungen Anfang Juli vorgestellt. Von dem neuen System verspricht sich die Bahn Aufwind im Fernverkehr. Der Umsatz lag hier bis Mai mit 1,02 Milliarden Euro rund 262 Millionen Euro unter Plan. Laut Statistischem Bundesamt sank die Zahl der Fahrgäste im ersten Quartal um 10,6 Prozent auf 27 Millionen.

Bahn zieht Klage zurück

Der Rechtsstreit zwischen der Deutschen Bahn und dem Fahrgastverband Pro Bahn wegen Kritik am Preissystem wurde unterdessen beendet. Kurz vor der neuen Tarifreform zog die Bahn ihre Klage gegen Verbandschef Karl-Peter Naumann nach einer außergerichtlichen Einigung zurück, wie eine Sprecherin des Landgerichts Hamburg am Mittwoch mitteilte. Über die Einzelheiten vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. In dem Streit ging es um eine Behauptung Naumanns vom vergangenen Dezember, kurz nach dem Start des veränderten Preissystems. Nach einem Tarif-Test in der „Bild am Sonntag“ ließ er sich mit der Aussage zitieren: „Jeder zweite Kunde zahlt zu viel für sein Ticket.“ In einem Schreiben an Bahnchef Hartmut Mehdorn stellte Naumann nun klar, dass er damit nicht alle Kunden der Bahn gemeint habe. Im Gegenzug ließ die Bahn ihre Klage fallen.

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