EZB-Entscheidung : Gute Zeiten für Habenichtse

Was die EZB-Beschlüsse vom Donnerstag für Verbraucher bedeuten.

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Direkte Auswirkungen auf die Sparzinsen hat die EZB-Entscheidung nicht.
Direkte Auswirkungen auf die Sparzinsen hat die EZB-Entscheidung nicht.Foto: dpa

Das Programm zum Kauf von Staatsanleihen der Euro-Staaten wird verlängert, der Strafzins für Banken erhöht. Was bedeutet das für die Verbraucher? Was kommt auf Sparer, Anleger, Kreditnehmer, Häuslebauer und Immobilienkäufer zu? Ein Überblick.

SPARER

Eine direkte Auswirkung der Anleihekäufe und des negativen Einlagezinses für Banken, die bei der Europäischen Zentralbank Geld parken, auf die Sparzinsen gibt es nicht. Aber klar ist: Die EZB wird auf längere Zeit – sicher bis 2017 – den auch für Sparzinsen wichtigen Leitzins nicht erhöhen. Damit bleiben die Sparzinsen niedrig, möglicherweise sinken sie noch weiter. Faktisch gibt es jetzt schon nicht mehr viel zu holen. Nach Angaben der Finanzberatung FMH liegt der Durchschnittszins für Tagesgeld derzeit bei 0,36 Prozent. „Fast ein Drittel von 90 untersuchten Banken zahlt derzeit Zinsen unter 0,05 Prozent“, sagt FMH-Chef Max Herbst. Berücksichtigt man die Inflationsrate in Deutschland von zuletzt 0,4 Prozent, gibt es real nichts, in vielen Fällen steht unter dem Strich ein Minus. Selbst Festgeld wirft für ein Jahr derzeit im Schnitt nur 0,39 Prozent ab, bei zweijährigen Sparbriefen auch nur 0,52 Prozent. Faktisch ergeben Sparanlagen damit wenig Sinn.

ALTERNATIVEN

Die gibt es, heißt es bei FMH. Beim Tagesgeld zahlen einige Banken noch Zinsen zwischen einem und 1,25 Prozent, ebenso bei einjährigem Festgeld. Und dies unter der Garantie der deutschen Einlagensicherung. Das Problem ist allerdings, dass viele Sparer zu träge sind, ihre Bank zu wechseln, um das Geld besser anzulegen. Sie lassen sich bei ihrer Hausbank- oder Haussparkasse mit Minizinsen abspeisen.

STRAFE FÜRS SPAREN?

Strafzinsen für Privatkunden sind eher unwahrscheinlich. Bislang gibt es sie nur bei der kleinen Skatbank, mit minus 0,25 Prozent – formal aber erst für Beträge ab 500 000 Euro und auch nur dann, wenn der Kunde über Gesamteinlagen von mindestens drei Millionen Euro bei der Skatbank verfügt. Allenfalls Unternehmen werden derzeit bei anderen Banken mit Negativzinsen belegt.

AKTIONÄRE

Die EZB-Geldschwemme stützt den Aktienmarkt. Allerdings sind die Kurse schon gut gelaufen, manche Experten warnen vor einer Blase. Empfindliche Rückschläge sind also nicht ausgeschlossen. Wer aber für mindestens fünf Jahre anlegen kann und das Geld in dieser Zeit nicht braucht, sollte die Option Aktien – bei Streuung auf mehrere Papiere – nach genauer Prüfung zumindest in Erwägung ziehen. Auch bei soliden Unternehmen sind Dividendenrenditen von drei Prozent und mehr drin.

LEBENSVERSICHERUNGEN

Für die Gesellschaften wird es immer schwieriger, angesichts der Niedrigzinsen die versprochene Rendite zu erwirtschaften. Versicherer dürfen nur einen Teil des Kapitals am Aktienmarkt investieren.

HAUSKÄUFER

Für Häuslebauer und -käufer bleibt die Finanzierung der eigenen vier Wände billig. Entscheidend ist die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen. Die liegt derzeit bei nur 0,47 Prozent. Einzelne Fünf-Jahres-Hypotheken werden folglich im Moment schon für einen Zins von unter einem Prozent angeboten. Im Schnitt sind es laut FMH 1,14 Prozent. Bei zehn Jahren liegt die Untergrenze bei 1,26 Prozent, das Mittel bei 1,54 Prozent, und bei 15 Jahren gibt es Finanzierungen schon für 1,66 Prozent – der Schnitt liegt hier bei 2,59 Prozent. „Die Situation ist komfortabel“, sagt Herbst. Und sie werde es auf absehbare Zeit bleiben. Die Ersparnis ist im Einzelfall beträchtlich: Eine Differenz von einem Prozentpunkt bei einer Finanzierung über 15 Jahre mit einem Betrag von 225 000 Euro kann laut Herbst eine Ersparnis von mehr als 32 000 Euro bedeuten.

RATENKREDITE

Auch hier sind die Konditionen günstig. Für drei Jahre beginnen sie bei 2,93 Prozent und bewegen sich im Schnitt bei rund fünf Prozent. Wer flüssig ist, fährt vermutlich bei Anschaffungen mit Barzahlung oder Bank- sowie Kreditkarte günstiger. Bei Letzterer wird das Geld ja auch nicht sofort vom Konto abgebucht. Möglicherweise gewährt der jeweilige Händler auch eine Finanzierung, die günstiger ist als ein Ratenkredit bei der Bank oder Sparkasse.

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