Wirtschaft : EZB hat Inflationsgefahr im Blick

Hochrangige Vertreter von Zentral- und Privatbanken sowie namhafte Ökonomen haben dem zuletzt deutlich erholten Euro weiteres Aufwärtspotenzial bescheinigt. Zugleich warnten der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, und der neue Präsident der Landeszentralbank Baden-Württemberg, Helmut Schieber, aber davor, dass der schwache Außenwert die innere Stabilität des Euro bedrohen könne. Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, lobte die Arbeit der EZB. Dem pflichteten neun deutsche Wirtschaftswissenschaftler in einem Manifest bei: Die EZB-Bilanz sei "äußerst positiv", es herrsche Preisstabilität, die öffentlichen Haushalte würden konsolidiert, die Arbeitslosigkeit sinke.

EZB-Chefvolkswirt Issing sagte der "Welt am Sonntag", wenn die auf dem EU-Gipfel in Lissabon geforderten Reformen umgesetzt würden, werde dies auch den Euro-Außenwert beflügeln. Bislang werde die gute Bilanz der EZB noch vom schwachen Außenwert des Euro getrübt. Das Mandat der EZB liege zwar eindeutig auf der Wahrung der Preisstabilität und nicht auf einem Wechselkursziel. "Sobald aber durch den Außenwert die Gefahr importierter Inflation droht, trägt die EZB solchen Risiken Rechnung", so Issing. Ein schwacher Außenwert treibe die Importpreise, das sei gefährlich

Deutsche Bank-Chef Breuer zeigte sich gegenüber dem Fernsehsender n-tv hinsichtlich der Kursentwicklung des Euro ebenfalls optimistisch, forderte jedoch weitere Strukturreformen. Er rechne damit, dass der Euro noch in diesem Jahr an Stärke gewinnen werde. "Wir sind in einem guten wirtschaftlichen Umfeld, wir haben niedrige Zinsen und keine Inflation", sagte Breuer. In puncto Außenwert sei aber eine einheitliche Wirtschafts- und Finanzpolitik in Europa nötig. Der Euro sei letzlich kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Thema. Zinserhöhungen seien kein Mittel zur Stärkung der Gemeinschaftswährung. Sie seien allenfalls hilfreich, um Inflation im Zaum zu halten. Der neue baden-württembergische LZB-Präsident Schieber sagte der "Stuttgarter Zeitung", für die Bürger sei stabiles Geld wichtiger als der Außenwert des Euro. Dennoch dürfe man den Wechselkurs nicht aus dem Auge verlieren, der über die Importpreise auch auf die innere Stabilität wirke.

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