Wirtschaft : EZB hofft auf Erholung im kommenden Jahr

ro/asi/brö

Die Voraussetzungen für eine Konjunkturerholung im Laufe von 2002 sind aus Sicht der Europäischen Zentralbank (EZB) gegeben. 2002 könne es wieder ein zufriedenstellendes Wachstum geben, heißt es im jüngsten Monatsbericht. Auch Klaus Friedrich, Chefvolkswirt der Dresdner Bank, hält eine Aufhellung der Lage für möglich. Probleme kommen indes auf die Autobranche zu.

Eine konkrete Schätzung nennt die EZB im Oktober-Monatsbericht nicht. Die Geldpolitik habe mit der jüngsten Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt auf 3,25 Prozent ihren Beitrag geleistet. Weiteren Handlungsbedarf sieht die EZB derzeit offenbar nicht. "Die Zinssätze sind niedrig, was bedeutet, dass die derzeitigen Finanzierungsbedingungen das Wirtschaftswachstum deutlich stützen." Inflationsgefahren bestehen nach Ansicht der EZB derzeit nicht. 2002 werde die Preisstabilität und damit eine Inflationsrate von zwei Prozent oder weniger "sicher wiederhergestellt sein."

Nach Ansicht der Euro-Währungshüter sind die wirtschaftlichen Fundamentaldaten in Euroland solide. Die von der Weltwirtschaft ausgehende Unsicherheit dürfte allmählich zurückgehen. Positive Impulse erwartet die EZB auch von real steigenden Einkommen und einer sinkenden Teuerung.

Trotz der Konjunkturschwäche fordert die EZB die Regierungen in Euroland auf, an ihren Spar- und Konsolidierungsbemühungen festzuhalten. Einmal mehr reklamiert die EZB zudem Strukturreformen, etwa bei der Altersversorgung, auf dem Arbeitsmarkt und auf den Gütermärkten. Damit könnten die Euroländer ihre Anfälligkeit gegenüber künftigen Schocks weiter verringern.

Für den Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, befindet sich die deutsche Wirtschaft "de facto " bereits in einer Rezession - auch wenn die Wachstumsraten noch nicht zwei Quartale hintereinander rückläufig waren. "Ganz Europa wird noch in diesem Jahr in die Rezession geraten", sagte Friedrich am Donnerstag dieser Zeitung. Die Deutschen müssten sich deshalb in den kommenden Wochen auf eine "Serie schlechter Nachrichten aus den Unternehmen" einstellen und mit vier Millionen Arbeitslosen rechnen.

Friedrich zeigte sich besorgt wegen des globalen Gleichmaßes des wirtschaftlichen Niedergangs. "Seit der großen Depression in den dreißiger Jahren gab es keine solch synchrone Rezession." Während sich die deutsche Volkswirtschaft in der jüngeren Vergangenheit über solche Abschwungphasen durch eine robuste Exportwirtschaft habe retten können, bleibe ihr jetzt, "da Deutschland vollständiger Teil der globalen Wirtschaft" sei, dieser Weg versperrt.

Der Bundesregierung rät er, nicht mit überstürzten Programmen auf den Abschwung zu reagieren: "Globale Probleme kann man nicht mit regionaler Fiskalpolitik lösen." Steuersenkungen solle es nur geben, wenn das Wachstum im vierten Quartal 2001 "mehr als ein Prozent" hinter dem des dritten Quartals zurückbleibt. "Nur in einem solchen Fall" sei ein Vorziehen der zweiten Stufe der Steuerreform oder eine Steuerkürzung um zehn Prozent angezeigt.

Konjunkturprobleme dürfte auch die Autobranche bald zu spüren bekommen. Zwar zog der Verkauf von Neuwagen in Westeuropa im Oktober deutlich an. Für 2002 sieht der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Bernd Gottschalk, jedoch eine Eintrübung der Lage. "Wir rechnen damit, dass das kommende Jahr deutlich schwieriger wird", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Donnerstag in Berlin. Die Auftragseingänge gingen zurück, auch mit einer Exportabschwächung müsse gerechnet werden. "Dies zusammen mit rückläufigen Inlandsaufträgen sagt uns: Vorsicht!", betonte Gottschalk.

Zuvor hatte der Europäische Automobilverband ACEA in Brüssel mitgeteilt, dass die Zahl der Neuzulassungen innerhalb der Europäischen Union (EU) sowie Norwegens, der Schweiz und Islands im Jahresvergleich um 8,3 Prozent auf 1 205 924 Fahrzeuge gestiegen sei.

In den USA ist die Krise in der Autobranche bereits deutlich ausgeprägter. Zwar beflügelte der Autoabsatz den US-Einzelhandelsumsatz im Oktober. Die hohe Nachfrage erkauften sich die Hersteller jedoch mit hohen Rabatten und extrem günstigen Finanzierungen, sagte Albrecht Denninghoff, Automobil-Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. "Für ein 25 000 Dollar teures Auto fallen bis zu 3000 Dollar Finanzierungskosten an." Dies könne die schwache Nachfrage indes nur vorübergehend kaschieren. Schon in kurzer Zeit würden US-Hersteller wie General Motors und Ford zu Kapazitätsanpassungen gezwungen sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben