Wirtschaft : EZB kauft Staatsanleihen in Rekordhöhe Zentralbank gibt 22 Milliarden Euro aus

Frankfurt am Main - Im Kampf gegen die Euro-Krise wirft die Europäische Zentralbank (EZB) die Notenpresse an: Erstmals seit Februar haben die Währungshüter wieder Staatsanleihen von hoch verschuldeten Euro-Staaten gekauft. Das teilte die EZB am Montag in Frankfurt mit. Dafür griff die Zentralbank mit 22 Milliarden Euro so tief wie nie zuvor binnen einer Woche in die Kasse. Die EZB hat nun Staatsanleihen im Wert von 96 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen, vor allem griechische, portugiesische und irische. Zuletzt dürfte sie aber insbesondere Papiere aus Spanien und Italien gekauft haben.

Die EZB hatte sich in den vergangenen Monaten die Option für weitere Eingriffe offengehalten. Das reichte zunächst, um die Märkte zu beruhigen. „Wenn man Gleiches erreichen will, muss man angesichts der Größe des Anleihemarktes in Spanien und Italien mehr machen“, sagte EZB-Experte Michael Schubert von der Commerzbank. In den kommenden Wochen werde die EZB deshalb weitere Staatsanleihen kaufen müssen, bis der Europäische Rettungsschirm EFSF diese Aufgabe übernehmen könne. „Ich glaube nicht, dass sich die Märkte von allein beruhigen werden“, sagte Schubert.

Als sich die Euro-Schuldenkrise Anfang August zuspitzte, sahen sich die Währungshüter zum Handeln gezwungen. Der EZB-Rat beschloss, wieder Staatsanleihen zu kaufen. Beobachtern zufolge erwarb die Zentralbank zunächst Papiere der Euro-Krisenländer Irland und Portugal. Kurz darauf signalisierte sie nach einer sonntäglichen Krisensitzung, auch spanische und italienische Staatsanleihen zu kaufen. Zuvor waren die Renditen der Papiere in die Höhe geschossen. So wurde es für Madrid und Rom immer teurer, sich frisches Geld zu besorgen. Die Renditen für zehnjährige Titel waren vor dem Eingreifen der Notenbank auf deutlich über sechs Prozent gestiegen. Der Eingriff der EZB hatte Erfolg: Die Renditen in Italien und Spanien gingen kräftig auf fünf Prozent zurück.

Die Anleihekäufe sind sehr umstritten – auch innerhalb des EZB-Rates. Die Entscheidung Anfang August fiel nach Angaben von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet nicht einstimmig, dem Vernehmen nach soll unter anderem Bundesbank-Präsident Jens Weidmann dagegen gewesen sein. Schon sein Vorgänger Axel Weber hatte die Ankäufe abgelehnt. Kritiker werfen der Notenbank vor, damit die klare Trennung zur Politik zu verwischen. dpa

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