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EZB lässt Leitzins bei 0,05 Prozent : Dax erreicht neues Rekordhoch - und stürzt ab

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Euro-Leitzins bei 0,05 Prozent. Nun setzen viele Börsianer mittelfristig auf weitere geldpolitische Lockerungen - doch die Hoffnungen könnten enttäuscht werden.

Positive Grundstimmung. Nach der schwachen Vorwoche, steigen an der Frankfurter Börse wieder die Kurse.
Positive Grundstimmung. Nach der schwachen Vorwoche, steigen an der Frankfurter Börse wieder die Kurse.Foto: dpa

Europas Währungshüter halten am Zinstief fest und ringen um weitere Mittel gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche. Der Leitzins im Euroraum bleibt nach Beschluss des EZB-Rates vom Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt mit. Die EZB senkte zugleich ihre Inflations- und Wachstumsprognosen. Die Teuerungsrate in der Euro-Zone werde 2015 mit 0,7 Prozent und 2016 mit 1,3 Prozent geringer als noch im September erwartet ausfallen, hieß es in den am Donnerstag veröffentlichten Projektionen der EZB-Ökonomen. Bislang waren 1,1 und 1,4 Prozent erwartet worden. Als Begründung nannte EZB-Präsident Mario Draghi vor allem den gesunkenen Ölpreis. Für das zu Ende gehende Jahr wird eine Inflationsrate von 0,5 (bisher 0,6) Prozent erwartet. Die EZB peilt knapp zwei Prozent an.

Die Notenbank erwartet weniger Wachstum und wirtschaftliche Dynamik

Auch für das Wirtschaftswachstum sind die Experten pessimistischer. Die Prognose für 2015 wurde von 1,6 auf 1,0 Prozent gesenkt, für 2016 von 1,9 auf 1,5 Prozent. Im zu Ende gehenden Jahr sollen es 0,8 (bisher 0,9) Prozent sein.
“Die schwache Wachstumsdynamik haben gemeinsam mit den hohen geopolitischen Risiken das Potenzial, das Vertrauen und vor allem die privaten Investitionen zu drücken“, sagte Draghi.
Die Fachleute der EZB und der ihr angeschlossenen nationalen Notenbanken der 18 Euro-Länder veröffentlichen alle drei Monate neue Prognosen für die Inflation, Wachstum und Arbeitslosigkeit. Diese Projektionen spielen eine wichtige Rolle bei den Entscheidungen des EZB-Rats über den geldpolitischen Kurs. Weil das viele billige Geld bislang weder die Teuerung wie gewünscht anheizt noch die Konjunktur richtig in Schwung bringt, wird über weitere Sondermaßnahmen diskutiert. Viele Ökonomen rechnen inzwischen damit, dass die EZB schon bald in den breit angelegten Kauf von Anleihen („Quantitative Easing“, QE) einsteigen wird.

Dax erreicht Rekordhoch bei 10.083 Punkten

Der Dax stieg am Donnerstag bereits vor den mit Spannung erwarteten Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi über die Marke von 10.000 Punkten. Am frühen Nachmittag erreichte er ein neues Rekordhoch bei 10.083 Zählern - brach unmittelbar danach aber ein und drehte ins Minus. Erneut positive Vorgaben sorgten zunächst für eine optimistische Grundstimmung: An der Wall Street waren der Dow Jones Industrial und auch der umfassende S&P-500-Index zur Wochenmitte mit neuen Schlussrekorden aus dem Handel gegangen. Seinen bislang höchsten Stand hatte der Dax im Juni bei 10.050 Punkten erreicht

Der Kauf von Staatsanleihen soll die Konjunktur ankurbeln

Befürworter hoffen, dass der Erwerb von Unternehmens- und Staatsanleihen durch die Notenbank die Wirtschaft ankurbelt - und zugleich die Inflation wieder in Richtung des EZB-Zieles befördert.
Allerdings sind Anleihenkäufe umstritten. EZB-Präsident Mario Draghi hatte immer wieder die Entschlossenheit der Notenbank betont, sich mit allen Mitteln gegen einen Preisverfall zu stemmen. Erst kürzlich versprach er: „Wir werden tun, was wir müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich anzuheben.“ Im November lag die jährliche Teuerungsrate im Euroraum nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat nur noch bei 0,3 Prozent. Sie entfernt sich damit immer weiter von der EZB-Zielmarke. rtr/dpa

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