Wirtschaft : EZB-Präsident Duisenberg äußert sich erstmals besorgt wegen Schwäche der gemeinsamen Währung

Thomas Gack

Das Rekordtief des Euro bringt die Währungsexperten in Erklärungsnot. Auch am Montag wurde die Gemeinschaftswährung unter dem Wert eines US-Dollars gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den so genannten Referenzkurs mit 0,9791 Dollar fest. Anfang vergangenen Jahres war ein Euro noch 1,1789 Dollar wert gewesen. Die EU-Finanzminister reagierten auf die anhaltende Wechselkursschwäche am Montag bei ihrer Ratssitzung in Brüssel mit äußerster Zurückhaltung. Der Euro habe ein Aufwertungspotenzial, das auf ein gesundes Wirtschaftswachstum und interne Preisstabilität bauen könne, heißt es in einer kurzen "gemeinsamen Mitteilung" der Euro-11-Minister. Es zeichne sich in der EU ein "robustes Wirtschaftswachstum" ab, das sich zunehmend auf eine gesunde Inlandsnachfrage stützen könne. "Eine starke Wirtschaft führt zu einer starken Währung", folgern die EU-Minister.

Zum ersten Mal gab EZB-Präsident Wim Duisenberg in deutlicher Form seinen Unmut über die Talfahrt des Euro zu Protokoll: "Eine weitere Schwächung des Euro würde sich nachteilig auf die Aufgabe der EZB auswirken, die Preisstabilität zu wahren." Deshalb spiele der Wechselkurs eine wichtige Rolle in der Strategie der Europäischen Zentralbank. Der EZB-Chef widersprach damit Kritikern, die den europäischen Währungshütern vorgeworfen hatten, sie hätten zu wenig auf den Euro-Außenwert geachtet.

Bundesfinanzminister Eichel kritisierte den Hang einiger Politiker, die Euro-Schwäche öffentlich zu kommentieren. "Wenn sich alle auf allen Ebenen der EZB daran halten würden, dass nur der EZB-Präsident sich zum Euro-Wechselkurs äußert, dann wäre das ein großer Gewinn", sagte Eichel. Er selbst hielt sich in Brüssel strikt an die Sprachregelung, die sich die EU-Finanzminister offenbar auferlegt hatten. Entscheidend für die gemeinsame Währung sei die unveränderte Preisstabilität in der Euro-Zone und das nach wie vor günstige Zinsniveau, sagte Eichel.

Ungeachtet der aktuellen Wechselkursentwicklungen befassten sich die EU-Finanzminister auch mit dem Konvergenzprogramm, das Griechenland für den Beitritt zur Europäischen Währungsunion fit machen soll. Vier der fünf Maastrichtkriterien erfüllt Athen inzwischen. Der griechische Finanzminister kündigte an, dass Griechenland noch zu Beginn dieses Jahres auch bei der Inflation die Voraussetzungen für den Beitritt zur Währungsunion erfüllen werde. Derzeit beträgt die Inflation 2,3 Prozent. In Brüssel nimmt man angesichts der guten Wirtschaftsdaten an, dass Griechenland im Juni die Euro-Kriterien erfüllen kann und damit einem Beitritt zur Währungsunion im Januar 2001 nichts mehr im Wege stehen dürfte.

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