EZB prüft die europäischen Banken : Stress vor dem Stresstest

Bevor die EZB im kommenden Jahr die Aufsicht über die europäischen Banken übernimmt, werden deren Bilanzen noch einmal gründlich geprüft. Erstmals wird auch etwas getestet, das vorher tabu war.

von
Löcher in der Bilanz.
Löcher in der Bilanz.Foto: dpa

Die EU-Finanzminister haben einen Haken unter die geplante europäische Bankenaufsicht gemacht. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll ab November 2014 die Aufsicht über die rund 130 größten europäischen Institute übernehmen. Davor aber will sie sich die Bilanzen noch einmal genau anschauen – um nicht mit schwierigen Fällen oder gar maroden Geldhäusern an den Start zu gehen. Noch wissen die Banken nicht, wie dieser Bilanz-Tüv im Detail aussehen soll. Am Mittwoch will die EZB Einzelheiten nennen. Deutsche- Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen, zugleich Präsident des Bankenverbandes, warnt zwar vor „Stress vor dem Stresstest“, aber er möchte vor allem Klarheit, wie mögliche Kapitallücken gedeckt werden sollen.

EZB beginnt Banken-Stresstest noch 2013

Der neue Stresstest, der noch 2013 beginnen und dessen Ergebnisse bis Herbst 2014 vorliegen müssen, besteht aus drei Teilen. Zunächst untersuchen die Aufseher die Bilanz, dann schauen sie auf Vermögenswerte und deren Bewertung, schließlich folgt der Stresstest. Am Ende muss sich für jedes Haus zeigen, ob es in den Büchern problematische Kredite und Wertpapiere und ausreichend Kapital gibt, um mögliche Risiken verkraften zu können. Häuser, denen Geld fehlt, könnten in letzter Konsequenz vom Markt verschwinden, deutete Fitschen unlängst bei der Herbsttagung von IWF und Weltbank in Washington an. Dem Vernehmen nach will sich die EZB 25 deutsche Institute genauer ansehen.

Skeptiker taxieren für die 130 Banken in Europa einen Kapitalbedarf von bis zu einer Billion Euro. Fitschen hält solche Schätzungen für überzogen. Er sieht keinen Anlass für Dramatik, schließt aber auch neue Löcher nicht aus. Die Bundesbank hat den möglichen Kapitalbedarf allein für die sieben größten deutschen Banken auf 43 Milliarden Euro beziffert, allerdings bezogen auf die Lage Ende 2012.

Auch Staatsanleihen werden geprüft

Die Europäische Zentralbank (EZB) blickt beim anstehenden Banken-Stresstest auch auf deren Staatsanleihen-Bestände. Man könne sich vorstellen, dass die Krisensituationen, mit denen sich die Institute dabei auseinandersetzen müssten, auch Staatsanleihen in Mitleidenschaft zögen, sagte der Chef der Abteilung für Finanzstabilität bei der EZB, Ignazio Angeloni, am Mittwoch in Frankfurt. Grundsätzlich würden sie aber als risikofrei eingestuft, wie es die Bilanzierungsvorschriften vorsähen. “Wir werden da keine neuen Regeln erfinden“, betonte er.


Der Umgang mit Staatsanleihen hatte die Glaubwürdigkeit des vergangenen Stresstests der EU-Bankenaufsicht EBA an den Finanzmärkten schwer beeinträchtigt. Das Szenario eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone und dessen mögliche Folgen für die Staatspapiere waren dort für tabu erklärt worden.

Gerhard Hofmann, Ex-Bankenaufseher der Bundesbank, seit fünf Jahren Vorstandsmitglied beim Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken, sieht Kapitalbedarf nicht nur bei kritischen Schiffs- oder Firmenkrediten. Er hänge auch davon ab, wie die EZB Anleihen der Euro-Staaten in den Bankbüchern bewertet. Bislang gelten diese Papiere – auch aus Griechenland, Portugal oder Spanien – formal als risikolos. Die Banken müssen sie im Gegensatz zu Unternehmensanleihen- und -krediten nicht mit Eigenkapital absichern. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann plädiert schon länger für eine Änderung. Auch Staatsanleihen sind in seinen Augen Risikopapiere.

Die EU-Bankenaufsicht EBA will den Wildwuchs in den Büchern der wichtigsten europäischen Banken vor der Bilanz- Überprüfung durch die EZB eindämmen. Die Londoner Behörde legte dazu am Montag einheitliche Kriterien für den Umgang mit wackligen Krediten fest, die den deutschen Regularien stark ähneln. Bislang unterscheiden sich die Bilanzierungsvorschriften in den einzelnen Ländern. Das hatte zu Zweifeln an den Ergebnissen der EBA-Stresstests geführt. (mit Reuters)



Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar