Wirtschaft : EZB: Ruf nach Zinssenkung wird lauter

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Frankfurt am Main Die Europäische Zentralbank (EZB) gerät mit ihrer kategorischen Ablehnung, die Zinsen zu senken, immer stärker in Erklärungsnot. Kurz vor der nächsten Leitzinsentscheidung am Donnerstag plädierten jetzt acht der 18 Mitglieder des EZB-Schattenrats dafür, den seit Juni 2003 geltenden Leitzins von zwei Prozent zu senken. Vor einem Monat hatten nur sechs Mitglieder des Sachverständigengremiums einen solchen Schritt empfohlen.

Der EZB-Schattenrat ist ein Gremium aus 18 prominenten Ökonomen von internationalen Banken, Universitäten und Forschungsinstituten, das seit November 1992 die Geldpolitik der EZB kritisch begleitet. Am vorigen Dienstag hatte bereits die Industrieländerorganisation OECD in ihrem Weltwirtschaftsausblick in ungewöhnlich deutlicher Form eine kräftige Zinssenkung angemahnt, und diese auch zur Grundlage ihrer Prognosen gemacht. Am Mittwoch schloss sich nach dem vierten Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex für Deutschland auch das Münchener Ifo-Institut der Forderung an. Zuvor hatten bereits IWF-Chef Rodrigo Rato, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und der deutsche Wirtschaftsminister Wolfgang Clement der EZB nahe gelegt, über eine Zinssenkung nachzudenken.

EZB-Vertreter haben dagegen in der vergangenen Woche erneut betont, der nächste Zinsschritt könne aus heutiger Sicht nur nach oben gehen. Über eine Zinssenkung sei im EZB-Rat noch nicht einmal diskutiert worden, hieß es bei der Zentralbank bisher.

Grund für den wachsenden Zulauf im Lager der Zinssenkungsbefürworter sind die schwachen Konjunkturindikatoren, insbesondere die starke Eintrübung der Wirtschaftsklima-Indikatoren. „Wegen der anhaltenden Schwäche der Konjunktur im größten Teil des Euro-Raums schließe ich mich den Zinssenkungsbefürwortern an“, erklärte etwa Ifo-Konjunkturexperte Gernot Nerb.noh/HB

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