Wirtschaft : EZB pumpt 500 Milliarden in die Banken Hilfspaket soll Kreditklemme abwenden

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Frankfurt am Main - Mit einer beispiellosen Geldspritze von fast einer halben Billion Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch versucht, eine Kreditklemme abzuwenden. Mehr als 520 Geldinstitute liehen sich 489 Milliarden Euro, wie das Institut erklärte. Das Geld müssen sie erst nach drei Jahren zurückzahlen, bislang war ein Jahr die längste Leihdauer. Die EZB hofft, dass die Banken so ihre Schulden refinanzieren, aber auch Firmenkredite ausreichen und Anleihen klammer Euro-Staaten kaufen.

Die Währungshüter hatten das Programm vor zwei Wochen angekündigt, um den Geldfluss zwischen den Banken in Gang zu halten. Die Nachfrage, die wesentlich höher war als erwartet, zeigt das große Misstrauen in der Branche. Normalerweise leihen die Institute einander Geld und halten sich damit liquide. Seit Monaten herrscht auf diesem Markt aber Eiszeit, weil die Banken befürchten, verliehenes Geld nicht zurückzubekommen. Hinzu kommt, dass die Banken 2012 rund 725 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen oder neu finanzieren müssen.

Der Bundesverband Deutscher Banken begrüßte den Schritt der EZB. Damit werde die Liquiditätsversorgung entscheidend verbessert, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Der Aktienindex Dax erhielt nur kurzzeitig Auftrieb, ebenso der Euro, der zum Dollar verlor.

Die jetzt aufgelegte Maßnahme ist Teil eines riesigen Rundum-sorglos-Paktes für die Banken. Hinzu kommt ein weiterer langlaufender Tender Ende Februar, Erleichterungen bei der globalen Dollar-Versorgung durch mehrere Zentralbanken und eine Halbierung der Mindestreserve. Insbesondere Banken Italiens standen Schlange: Mehr als zehn Institute des Landes, darunter Branchenprimus Unicredit, sollen sich nach Reuters-Informationen mit Geld vollgesogen haben.

Kritiker befürchten, dass die EZB indirekt mehr und mehr klamme Staaten finanziert, weil das Geld über die Banken in Staatsanleihen gesteckt werde. Zugleich wachse wegen der hohen Liquidität die Inflationsgefahr. Rolf Obertreis

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