Faachkräftemangel : Ausbildung und Anwerbung

Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften wollen Fachkräftemangel beheben.

Dietrich Creutzburg
Gipfel in Schloss Meseberg. Angela Merkel, Philipp Rösler und Ronald Pofalla.
Gipfel in Schloss Meseberg. Angela Merkel, Philipp Rösler und Ronald Pofalla.Foto: dpa

Meseberg - Mehr Ausbildung für Jugendliche und bessere Berufschancen für Frauen: Mit diesen Konzepten wollen Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften dem absehbaren Fachkräftemangel in Deutschland begegnen und zugleich auf die Anwerbung ausländischen Personals setzen. Das bekräftigten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), DGB-Chef Michael Sommer und DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann am Dienstag bei ihrem Fachkräftegipfel im brandenburgischen Meseberg.

Hintergrund sind Schätzungen der Bundesagentur für Arbeit, dass bis zum Jahr 2025 mehr als drei Millionen Fachkräfte fehlen werden. Das wird nicht nur mathematisch-naturwissenschaftliche Berufe treffen, sondern sich auch auf Unternehmen in Bildung und Pflege auswirken. Bereits vor einem Jahr hatte sich daher diese Runde in Meseberg auf einen vereinfachten Zuzug von ausländischen Spezialisten verständigt und den Weg für eine sogenannte Bluecard freigemacht. Sie wird zum 1. August kommen.

Mit Genugtuung registrierte Merkel, dass der Anteil erwerbstätiger Frauen in den vergangenen Jahren gestiegen ist und derzeit bei 71 Prozent liegt. Doch arbeite jede zweite Frau nur Teilzeit – und zudem nur durchschnittlich 18 Stunden in der Woche.

Das liege auch an der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte sie. Daher werde der Ausbau der Kitaplätze forciert: Gab es vor einigen Jahren erst 250 000 Betreuungsplätze für Kleinkinder, so sollen es bis August kommenden Jahres 780 000 sein.

Zugleich wollen die Sozialpartner prüfen, wie die Ausbildung Jugendlicher verbessert werden kann. DGB-Chef Sommer wies darauf hin, dass gegenwärtig etwa 1,5 Millionen Jugendliche ohne einen Berufsabschluss seien. Notwendig sei also eine Weiterentwicklung des dualen Ausbildungssystems. DIHK-Präsident Driftmann kündigte an, dass jetzt ein Konzept zur verstärkten Ausbildung gerade dieser Gruppe erarbeitet werden solle.

Eine Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit setzt nach den Worten von Rösler nicht nur auf ausreichende und qualifizierte Mitarbeiter. Vielmehr müsse die Technologieführerschaft weiter ausgebaut werden, beispielsweise mit einer Beschleunigung der Energiewende. Zugleich rief er dazu auf, einer Technologiefeindlichkeit in Deutschland entgegenzutreten und zugleich die neuen Chancen offener Märkte zu begreifen.

Ein von Rösler gewünschtes Punktesystem zur gesteuerten Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte wird indes nicht kommen. In Deutschland gebe es deutliche Unterschiede zu Ländern wie den USA, betonte Merkel. Schließlich gebe es bereits Freizügigkeit unter den 27 EU-Staaten. Haupthindernis hierzulande sei zumeist die Sprachbarriere. dapd

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