Facebook-Börsengang : Die bitteren Aktien-Erfahrungen der Deutschen

Die rasante Talfahrt der Facebook-Aktien ist kein Einzelfall in der Börsen-Geschichte. Gerade in Deutschland gab es mit der Telekom bereits einmal einen großen Hype. Ist die Situation vergleichbar?

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Erst sah alles gut aus. Dann stürzte die Aktie bis auf 23,86 Euro ab. Mittlerweile steigt der Kurs wieder ein wenig.
Erst sah alles gut aus. Dann stürzte die Aktie bis auf 23,86 Euro ab. Mittlerweile steigt der Kurs wieder ein wenig.Foto: dpa

Wie viele deutsche Anleger auf die Facebook-Aktie gesetzt haben, ist nicht bekannt. Kaufen konnten sie erst am vergangenen Freitag, als die Aktie am Nachmittag gegen 17.30 Uhr auch in Frankfurt am Main gelistet wurde. 33,50 Euro kostete das Papier, dann stürzte es ab bis auf 23,86 Euro. Am Donnerstag ging es immerhin auf 25,80 Euro nach oben. Aber das Investment bleibt bislang ein herbes Verlustgeschäft: Einbuße rund 23 Prozent.

Auf den ersten Blick werden bei diesem Absturz Erinnerungen wach an die Börsengänge der Telekom und von Air Berlin. Auch damals war der Hype so groß wie die Erwartungen. Doch es gibt trotzdem erhebliche Unterschiede, auf die Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) hinweist. „Die T-Aktie wurde mit einem riesigen Werbeaufwand angepriesen, sie sollte zur Volksaktie werden, der Aktienakzeptanz einen Schub geben“. Tatsächlich lief über Monate eine gigantische Maschinerie. Schauspieler Manfred Krug trommelte wie wild für die T-Aktie – was er heute bedauert. Beim ersten Börsengang im November 1996 war unter anderem der Finanzminister zugegen. 14,57 Euro kostete das Papier. 1999 und 2000 gab es zwei weitere Börsengänge. Der Hype schien sich zu bewahrheiten. Auf 103,50 Euro schoss die Aktie nach oben. Dann war es aus mit der schönen T-Welt. Der Kurs stürzte ab. Heute dümpelt die vermeintliche Volksaktie bei knapp neun Euro. Kleinaktionäre sind gerade mit einer Klage auf 80 Millionen Euro Schadenersatz gescheitert. Die angeblich falschen Angaben im Börsenprospekt waren korrekt, sagen die Richter.

Ein Blick hinter die Kulissen des Unternehmens:

Wie bei Facebook gearbeitet wird
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1 von 30Foto: Matt Harnack / Facebook
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„Bei Aktien setze ich auf Sieger“, tönte Moderator Johannes B. Kerner im Frühjahr 2006. Er warb für die Aktie von Air Berlin. Auch dieses hochgejubelte Papier geriet zum Flop, wenn auch nicht sofort: Im Mai ging die Aktie für zwölf Euro über die Börsenschranke. 20 Euro kostete die Air-Berlin-Aktie ein Jahr später. Seitdem aber zeigt der Kurs rasant nach unten: Gerade mal 1,80 Euro sind es heute noch.

Aktien-Experte Leven will Facebook mit Telekom und Air Berlin aber trotzdem nicht in eine Reihe stellen. „Es gab warnende Stimmen genug. Und für Facebook wurde bei weitem nicht so laut getrommelt.“ Sein Mitleid mit jetzt klagenden Anlegern hält sich in Grenzen. Man solle sich nicht von einem Hype anstecken lassen, sondern gerade bei Neuemissionen genau abwägen: In welches Unternehmen investiert man? Wie verdient es sein Geld? Wie sind die Geschäftsaussichten? Der Fall Facebook zeigt nach Ansicht von Leven auch: Man muss eine neue Aktie nicht gleich zu Beginn kaufen.

„Das einzige, was an der Börse gewiss ist, ist die Ungewissheit“, fügt Leven hinzu. Siehe Google: Als die Aktie 2004 an die Börse kam, waren die Warnungen unüberhörbar: Viel zu teuer. Damals kostete sie 85 Dollar. Heute steht die Google-Aktie bei mehr als 600 Dollar.

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