Facebook kauft sich neue Freunde : Datenschützer laufen Sturm gegen Instagram

Der Fotodienst Instagram will Informationen und Bilder seiner Nutzer künftig mit Facebook teilen - auch wenn diese gar nicht bei dem sozialen Netzwerk registriert sind. Experten sind alarmiert.

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Unbekümmert. Instagram-Chef Kevin Systrom zeigt sein Foto.
Unbekümmert. Instagram-Chef Kevin Systrom zeigt sein Foto.Foto: REUTERS

Berlin - Das soziale Netzwerk Facebook will sich den Zugriff auf die Daten von weiteren Millionen Internetnutzern sichern. Das betrifft auch Menschen, die bisher gar nichts mit Facebook zu tun haben. Die im Herbst von Facebook gekaufte Fotoplattform Instagram hat angekündigt, zum 16. Januar 2013 ihre Datenschutzrichtlinien zu ändern. Künftig will Instagram Informationen und Bilder seiner Nutzer mit Facebook teilen. Eine Möglichkeit, dem zu widersprechen, gibt es nicht. Damit kann Facebook auch hunderte Millionen Fotos mitsamt Nutzernamen, Aufnahmeorten und -zeiten sowie auf den Bildern gespiegelte Vorlieben verwerten.

Proteste provoziert dabei vor allem eine zweite Ankündigung: Instagram sichert sich auch die Rechte für die Nutzung der Fotos für Werbezwecke. Renner im Netz waren am Dienstag Bildschirmaufnahmen, auf denen zu sehen war, wie Nutzer ihren Account löschen. Das Löschen gilt bisher als einzige Möglichkeit, um zu verhindern, ungefragt mit Bild in einer Werbeanzeige aufzutauchen.

Datenschützer sind alarmiert. „Mit deutschem Recht ist so etwas nicht in Einklang zu bringen“, sagte der Kieler Experte Thilo Weichert. Über die Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Personen könne Instagram nicht verfügen. Auch US-Experten äußerten sich in der „New York Times“ skeptisch, ob die neuen Regeln mit den Gesetzen aller US-Staaten zu vereinbaren sind.

Moritz Karg, Experte für soziale Netzwerke beim Hamburgischen Beauftragten für Datenschutz, kritisiert insbesondere die schwammig gehaltenen Formulierungen der neuen Instagram-Regeln. Europäisches Recht schreibe vor, dass die Nutzer konkret wissen müssen, an wen Daten weitergegeben werden. Häufig würden Regeln zur Weitergabe von Daten an Dritte aber bewusst vage formuliert. „So halten sich die Firmen eine künftig ausgeweitete Nutzung unter veränderten Marktbedingungen offen“, sagte Karg. „Die Einwilligung hat den Charakter einer Blackbox.“

Florian Glatzner, Referent für Datenschutz der Verbraucherzentrale, sieht in der Zusammenführung der Datenschätze von Facebook und Instagram zu einer unüberschaubaren Menge an Informationen das größte Problem. Und auch er kritisiert, dass die Nutzer im Unklaren darüber gelassen werden, wer schlussendlich ihre Bilder zu welchen Zwecken nutzt. Facebook wies die Vorwürfe zurück: „Instagram ist nicht im Fotoverkaufsbusiness“, sagte Sprecherin Tina Kulow.

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