Facebook-Konkurrenz : VZ-Netzwerke sind Geschichte

StudiVZ war der Platzhirsch der Sozialen Netzwerke in Deutschland. Dann kam Facebook. Nun suchen sie in Berlin neue Namen - und neue Ideen.

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Hilft nichts. Nicht mal durch die Lupe erscheint StudiVZ so groß wie es einst war.
Hilft nichts. Nicht mal durch die Lupe erscheint StudiVZ so groß wie es einst war.Foto: dapd

Die Not ist groß. Das einst stärkste deutsche Online-Netzwerk StudiVZ mit seinen Schwesterportalen SchülerVZ und MeinVZ reagiert mit einem radikalen Umbau auf den Schwund von Mitgliedern und Nutzern. Wie die Betreiberfirma VZ-Netzwerke am Montag in Berlin mitteilte, soll zunächst das auf die junge Zielgruppe gemünzte SchülerVZ neu ausgerichtet werden. Im vierten Quartal werde die Plattform, auf der sich bislang Schüler untereinander vernetzen und über Hobbys, Partys oder Lehrer unterhalten können, zu einem „edukativen Angebot“ umgebaut. Die jugendlichen Nutzer sollen dann gemeinsam Fähigkeiten entwickeln und untereinander austauschen. Was genau sich dahinter verbirgt, blieb zunächst unklar. Fest steht, dass SchülerVZ mit der Neuausrichtung auch einen anderen Namen erhält: IDPool soll das Soziale Netzwerk dann heißen.

VZ-Netzwerke benennt sich bereits im Laufe dieses Monats in Poolworks um. Zudem muss ein Drittel der 70 Mitarbeiter gehen. Die Techniksparte wird als eigenes Unternehmen ausgegliedert. Angeblich könnten dort sogar neue Stellen entstehen. Darüber, wie es für das Flaggschiff StudiVZ weitergeht, schweigt sich die Unternehmensführung bislang aus. Für Ende des Jahres würden „neue Optionen“ geprüft. Gleiches gilt für MeinVZ. Mehr war am Montag auf Anfrage nicht zu erfahren. StudiVZ war lange Zeit das größte Soziale Netzwerk in Deutschland. Gegen den rasant wachsenden Konkurrenten Facebook verliert es jedoch immer weiter an Boden. Im Mai verzeichnete die Gruppe, die zum Verlag Georg von Holtzbrinck gehört, laut IVW noch 44,7 Millionen Besuche (sogenannte Visits). Ein Jahr zuvor waren es noch 206,7 Millionen, im Mai 2010 sogar noch 466,2 Millionen. Die Zahl der Mitglieder liegt nach eigenen Angaben bei rund 16 Millionen – Konkurrent Facebook hat in Deutschland mehr als 20 Millionen.

„Wir nutzen das aktuelle Jahr, um einen Befreiungsschlag für VZ umzusetzen“, sagte Unternehmenschefin Stefanie Waehlert. Genaueres will sie im Lauf der Woche bekannt geben. Die Neuausrichtung von SchülerVZ kommt zu einer Zeit, zu der Facebook konkret darüber nachdenkt, seine Zielgruppe auch auf die unter 13-Jährigen auszudehnen. Dem VZ-Konkurrenten aus dem kalifornischen Menlo Park reichen die weltweit mehr als 900 Millionen Nutzer offenbar nicht mehr aus. Seit Facebook im Mai an die Börse gegangen ist, wächst der Druck auf Gründer Mark Zuckerberg, Investoren mit neuen und vor allem gewinnversprechenden Ideen zu überzeugen.

Für die VZ-Netzwerke ist es nicht der erste Neustart: Im September 2011 hatte das Unternehmen ein überarbeitetes Design und neue Funktionen angekündigt. Dabei sollten sich die Nutzer über ein Bewertungssystem und Feedback-Optionen einbringen können. Den Niedergang konnte das nicht stoppen. Gelingt es dem Unternehmen nun nicht, sich in einem neuen Feld abseits des Facebook-Prinzips zu positionieren, dürfte ein weiteres Ziel in weite Ferne rücken: Im Februar hatte es geheißen, man arbeite „an der Gewinnschwelle“. (mit dpa)

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