Facebook mit Quartalszahlen : Zuckerberg macht mobil

Das soziale Netzwerk überrascht die Analysten: Die Werbung auf Smartphones und Tablets läuft besser als erwartet. Obwohl das Unternehmen im abgelaufenen Vierteljahr einen Verlust gemacht hat, steigt die Aktie.

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Mark Zuckerberg möchte mit einem Mythos aufräumen: Werbung auf Smartphones und Tablets habe sich als effizienter herausgestellt und mache inzwischen 14 Prozent der Werbeeinnahmen aus, sagt er.
Mark Zuckerberg möchte mit einem Mythos aufräumen: Werbung auf Smartphones und Tablets habe sich als effizienter herausgestellt...Foto: AFP

Wer mag schon Werbung auf dem Smartphone? Der Bildschirm ist so klein, da stören Banner und andere Werbebotschaften nur. Das jedenfalls war bisher die Meinung vieler Nutzer und auch die der meisten Experten. Darum sahen diese die künftige Entwicklung von Firmen wie Facebook, Google oder Yahoo so skeptisch. Denn die Unternehmen verdienen ihr Geld in der Hauptsache mit Werbung im stationären Netz. Da aber immer mehr Menschen die Dienste mobil nutzen, ist es fraglich, ob die Werbeeinnahmen künftig fließen wie bisher und ob sie sich noch steigern lassen.

Die Skepsis ließ sich an der Entwicklung der Facebook-Aktie ablesen. Seit dem Börsengang im Mai ging es fast immer nach unten. Von der Erstnotiz bei 33,50 Euro stürzte das Papier zeitweise auf 16,73 Euro ab. Doch am Mittwoch legte das Papier an der Frankfurter Börse bis kurz vor Schluss um mehr als 20 Prozent auf 18,32 Euro zu.

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1 von 30Foto: Matt Harnack / Facebook
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Denn mit seinen Quartalszahlen gibt das soziale Netzwerk eine Antwort auf die offene Frage: Im dritten Quartal erzielte Facebook bereits 14 Prozent seines Werbeumsatzes im mobilen Internet – also über Smartphones und Tablet-Computer. Das entspricht mehr als 150 Millionen Dollar (115 Millionen Euro). Und es ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den geschätzten 40 bis 50 Millionen im zweiten Quartal und fast nichts im ersten. „Ich will das Vorurteil aus der Welt schaffen, dass Facebook mobil kein Geld verdienen kann“, sagte Unternehmenschef Mark Zuckerberg. „Auf lange Sicht werden wir mehr Geld mit Werbung auf mobilen Geräten als auf stationären Computern machen“, kündigte er an. Nutzer, die mobil zugreifen, seien viel engagierter, erklärte Zuckerberg.

Experten zeigten sich überrascht, wie schnell der Umsatz mit mobiler Werbung bereits gewachsen ist. „Einen Umsatzanteil von 14 Prozent finde ich enorm“, sagte Ralf Kaumanns, Geschäftsführer des Marktforschungsdienstes Strategyfacts. Facebook setze nach eigenen Angaben täglich drei Millionen Dollar mit Anzeigen um, die im mobilen Nachrichtenfluss der Nutzer platziert sind. „Das System ist nicht einmal ein halbes Jahr am Markt und noch gar nicht in allen Ländern eingeführt“, sagte Kaumanns. „Wenn man das hochrechnet, wird Facebook im kommenden Jahr mehr als eine Milliarde Dollar mit mobiler Werbung verdienen. Damit sind sie auf gutem Weg.“ Zum Vergleich: Google erzielte von Januar bis September 2,5 Milliarden Dollar mit mobiler Werbung. Allerdings betreibt Google das mobile Werbegeschäft schon länger als Facebook.

Inzwischen hat das soziale Netzwerk mehr als eine Milliarde Nutzer, von denen 600 Millionen mobil auf Facebook zugreifen. Insgesamt setzte das Netzwerk im dritten Quartal 1,3 Milliarden Dollar um, ein Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Fast 90 Prozent der Erlöse stammen aus dem Werbegeschäft, das sogar um 36 Prozent wuchs. Damit legten die Werbeerlöse entgegen vieler Erwartungen schneller zu als die übrigen Einnahmen, die vor allem aus dem Spielegeschäft kommen. Die mit großen Problemen kämpfende Online-Spielefirma Zynga steuerte nur noch etwa sieben Prozent des Facebook-Umsatzes bei, im zweiten Quartal waren es noch zehn Prozent gewesen. Es gebe aber auch Anbieter, die erfolgreich seien, kommentierte Zuckerberg trocken.

Der Aktienkurs stieg am Mittwoch, obwohl Facebook wegen hoher Steuern auf Aktien, mit denen Mitarbeiter entlohnt werden, im Quartal einen Verlust von 59 Millionen Dollar machte. Auch die Kosten für Marketing, Verwaltung und neue Produkte schnellten nach oben. Im Vorjahreszeitraum hatte Facebook noch 227 Millionen Dollar verdient.

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