Facebook-Satellit explodiert : Zuckerberg ist "schwer enttäuscht"

Facebook-Chef Mark Zuckerberg will schnelles Internet nach Afrika bringen. Doch nun ist die Rakete mit dem Satelliten an Bord explodiert - und Zuckerberg richtig sauer.

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An Bord der explodierten SpaceX-Rakete war auch ein Satellit von Facebook. Foto: rtr
An Bord der explodierten SpaceX-Rakete war auch ein Satellit von Facebook. Foto: rtrFoto: REUTERS

Wenn die Queen so richtig sauer ist, dann heißt es, sie sei „not amused“. Bei Facebook-Chef Mark Zuckerberg hört sich das schon deutlich schärfer an: „I'm deeply disappointed“, schrieb er am Donnerstagabend auf seiner Facebookseite, „schwer enttäuscht“ – auch das ist milde ausgedrückt. Denn nichts weniger als eines seiner größten Prestigevorhaben ist explodiert: Ein Satellit, der Afrika schnelles Internet bringen sollte.

Zuckerberg war extra nach Afrika gereist

Internet.org heißt das Projekt, mit dem Zuckerberg Menschen in entlegenen Regionen Zugang zum Netz ermöglichen will – und damit selbstverständlich auch Zugang zu Facebook. Als erstes sollte die Sub-Sahara versorgt werden. Zuckerberg war in der vergangenen Woche extra nach Afrika gereist, um den Start dort live zu erleben. Doch dazu kam es nicht.

Denn der Satellit war an Bord der Rakete „Falcon9“, die am Donnerstag auf dem US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida explodiert ist. Sie gehörte zum US-Raumfahrtunternehmen SpaceX, das wiederum Tesla-Gründer Elon Musk gegründet hat – wie Zuckerberg einer der umtriebigsten Unternehmer des Silicon Valley. Warum die Rakete explodiert ist, wird noch untersucht. Es habe sich „eine Unregelmäßigkeit im Sauerstofftank der oberen Raketenstufe während des Tankens abgespielt, teilte SpaceX bisher lediglich mit. Menschen seien nicht verletzt worden. Bereits im vergangenen Sommer hatte SpaceX eine Rakete bei einer Explosion verloren. Für Musk ist der neue Verlust ein weiteres Debakel. SpaceX will eigentlich ab 2017 Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS bringen.

„Geld ist nicht das Problem"

Der zerstörte Satellit Amos-6 war von der Israel Aerospace Industries (IAI) für 200 Millionen Dollar gebaut worden, Facebook hatte sich auf Amos-6 eingemietet. Die Rakete selbst kostete 60 Millionen Dollar. „Gibt’s dafür eine Versicherung?“, wollte ein Facebook-Nutzer von Zuckerberg wissen – und der antworte so lässig, wie ein Multi-Milliardär nur antworten kann: „Geld ist nicht das Problem“, sondern, dass es nun länger dauern werde, Menschen zu vernetzen. Doch „glücklicherweise“, so teilte Zuckerberg mit, habe Facebook auch andere Technologien wie die Antennen-Drohne „Aquila“ entwickelt. Facebook werde an der „Mission“, alle zu vernetzten, festhalten.

Das Facebook-Projekt ist umstritten

Das Facebook-Projekt ist allerdings umstritten. In Indien wurde der Einsatz der „Aquila“-Drohnen untersagt, denn sie ermöglicht zwar einen kostenlosen Zugang zum Netz, aber nur zu ausgewählten Diensten, zu denen wenig überraschend auch Facebook gehört. Der Name von Zuckerbergs Projekt Internet.org ist insofern wenig passend.

In der Tech-Welt wird bereits gemutmaßt, dass Zuckerberg nach der Explosion so sauer auf Musk ist, dass er das Projekt mit einem anderen Partner verfolgen will. Das dürfte aber unwahrscheinlich sein. Dennoch wird bis zum Start eines neuen Satelliten wohl einige Zeit vergehen, denn so schnell ist kein neuer gebaut. Zuckerberg zeigte sich am Freitag schon wieder etwas besser gelaunt, er machte eine Safari in Kenia, bewunderte Baby-Giraffen – und sah dabei „very amused“ aus.

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