Wirtschaft : Facebook stößt Börsengang an Volumen liegt bei zunächst fünf Milliarden Dollar

New York - Facebook hat den ersten Schritt auf seinem Weg an die Börse getan. Am späten Mittwochabend veröffentlichte das weltgrößte soziale Netzwerk seinen Börsenprospekt, mit dem es bei Investoren für seine Aktien wirbt. Einen Termin für den eigentlichen Gang aufs Parkett gibt es noch nicht.

Das Volumen des Börsengangs liegt bei zunächst fünf Milliarden Dollar und damit nur halb so hoch wie ursprünglich erwartet. Jedoch kann sich diese Summe noch erhöhen. Es ist üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und – falls genügend Nachfrage besteht – später den Preis erhöhen. Wie der Börsenprospekt weiter verrät, ist Facebook profitabel: Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen unterm Strich eine Milliarde Dollar, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin 229 Millionen Dollar. Haupteinnahmequelle ist Werbung. Facebook legte wegen seiner Börsenambitionen zum ersten Mal in seiner Geschichte Geschäftszahlen vor.

Viele Investoren fragen sich aber, ob diese Zahlen die kolportierte Firmenbewertung von 75 bis 100 Milliarden Dollar rechtfertigen. Facebook selbst lässt in dem Börsenprospekt noch keine Rückschlüsse zu, welchen Wert das Management dem Unternehmen zumisst. Weder wird die Anzahl der auszugebenden Aktien angegeben, noch der Preis für das einzelne Papier. Bis zum eigentlichen Börsengang, der für das späte Frühjahr oder den Sommer erwartet wird, wird Facebook die Informationen noch nachreichen. Dann wird auch feststehen, ob sich Gründer Mark Zuckerberg selbst von Anteilen trennt. Er hält laut Prospekt gut 28 Prozent der Anteile. Das gesamte Management kommt auf 70 Prozent, der Rest liegt bei Finanzinvestoren.

Facebook gilt als der spektakulärste Börsengang des Internet-Zeitalters angesichts der 845 Millionen Nutzer, die Wall Street ist in heller Aufregung. Investoren hoffen auf ein lukratives Investment, Banker und Aktienhändler auf satte Gebühreneinnahmen. Die fünf Konsortialführer für den Börsengang sind Morgan Stanley, Goldman Sachs, Bank of America, Merrill Lynch, Barclays Capital und JP Morgan. Schon jetzt steht fest, dass Facebook das bisher größte Börsendebüt eines Internet-Unternehmens gelingen wird. Google sammelte bei seiner Aktienpremiere vor acht Jahren 1,7 Milliarden Dollar ein. Heute ist der Suchmaschinenanbieter 190 Milliarden Dollar wert.

Allein die Hoffnung auf einen erfolgreichen Börsengang des weltgrößten Internet-Treffpunkts sorgte dafür, dass nach Jahren der Zurückhaltung wieder verstärkt Internet-Unternehmen an den US-Aktienmarkt strebten. Neben der Karriereplattform LinkedIn waren das Groupon und der Spiele-Programmierer Zynga. Privatinvestoren überbieten sich derzeit, um bei Firmen wie Twitter einsteigen zu dürfen – immer in der Hoffnung auf einen späteren Börsengang, der ihnen einen hohen Gewinn verspricht. Marktexperten sprechen angesichts astronomischer Bewertungen einiger Firmen von einer neuen Internet-Blase. Viele erinnern sich noch an die New Economy vor gut zehn Jahren. Es dauerte Jahre, bis sich die Wirtschaft vom Platzen der Blase erholte. AFP/dpa/rtr

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