Wirtschaft : Fachleute rechnen nicht mit Kursrutsch unter den Ausgabepreis

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Der unerwartet niedrige Ausgabepreis für die neuen Aktien der Telekom-Tochter T-Online bietet nach Ansicht von Analysten nun Raum für Kurssteigerungen. Die Telekom habe damit ihre bisherige Strategie fortgesetzt, Aktien zu einem "bescheidenen" Preis auszugeben, hieß es am Wochenende in Frankfurt. Angesichts der anhaltenden Talfahrt der Kurse, der sich am Freitag an der New Yorker Wall Street zu einem wahren Rutsch ausgeweitet hatte, hatte die Telekom am Sonnabend gemeinsam mit den Konsortialbanken beschlossen, den Ausgabekurs mit 27 Euro am unteren Ende der vorgesehenen Preisbildungsspanne festzulegen. Die meisten Experten rechnen nicht damit, dass der Kurs der T-Onlien-Aktie in den ersten Tagen abstürzen wird. Institutionelle Anleger würden die Chance nutzen, um die "wenigen frei umlaufenden Aktien über den Markt zu kaufen", hieß es. Daher sei ein Kurs von über 30 Euro in den ersten Tagen durchaus wahrscheinlich.

Privaten Anlegern raten die Experten, ihr Engagement bei dem Online-Dienst vor allem langfristig zu sehen. In zwei bis drei Jahren werde die Welt schon wieder anders aussehen. Bis dahin allerdings seien auch bei T-Online noch keine nachhaltigen Gewinne zu erwarten, da die Unternehmen in dieser Zeit auch durch Zukäufe kräftig wachsen will. Danach jedoch sollte nach Einschätzung der Branchenbeobachter die Telekom-Tochter gute Chancen haben, sich in dem stark wachsenden Markt besser als viele Konkurrenten zu entwickeln. "Dann könnte sich herausstellen, dass der jetzige Kursrutsch so manchem Privatanleger ein Schnäppchen beschert hat", meinte ein Banker am Sonntag. Rund zwei Millionen Privatanleger erhalten trotz der zwanzigfachen Überzeichung T-Online-Papiere. Bei der Zuteilung gingen die Aktien je zur Hälfte an private und institutionelle Investoren.

Die T-Online-Titel werden am Montag erstmals am Neuen Markt der Frankfurter Börse notiert. Mit der T-Online International AG in Darmstadt bringt der Bonner Konzern erstmals ein Tochterunternehmen an die Börse. Im Herbst dieses Jahres soll die Handy-Tochter T-Mobil International AG folgen. Mit dem Emissionserlös will T-Online Zukäufe finanzieren. Mit 5,3 Millionen Kunden ist T-Online der zweitgrößte Online-Dienst der Welt nach AOL mit mehr als 17 Millionen Kunden. Die Telekom habe wegen der hohen Nachfrage nicht alle Zeichnungsaufträge berücksichtigen können, erklärte das Unternehmen. Alle T-Online-Kunden, die an einer Befragung zur Kundenzufriedenheit teilgenommen haben, bekommen bevorrechtigt sogar 35 Aktien. Für die anderen Privatanlegern sei ein Losverfahren notwendig gewesen. Jeder dritte Zeichnungsauftrag werde mit einem Volumen von 25 Aktien bedient.

Gemessen am Emissionsvolumen ist der Börsengang von T-Online der drittgrößte in Deutschland - nach dem der Deutschen Telekom AG 1996 und der Infineon zu Beginn dieses Jahres. T-Online sollen vom 19. Juni an im Blue-Chip-Index Nemax-50 notieren und werden zum Index-Schwergewicht. Das Unternehmen hatte 92 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie 13,8 Millionen Aktien aus einer Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) angeboten. Über ein Mitarbeiter-Beteiligungsprogramm standen bis zu acht Millionen Aktien zur bevorrechtigten Zeichnung von je 25 bis 2000 Aktien zum Angebotspreis bereit, so dass 114 Millionen T-Online-Aktien ausgegeben werden.

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