Fachmesse ISH : Toilette mit Sitzheizung und Wasserhahn aus Glas

Die ISH in Frankfurt ist die weltgrößte Fachmesse für Sanitär-, Energie- und Klimatechnik. Früher wurde sie als „Interklo“ verspottet, heute zeigt die Branche dort Hightech rund ums Bad und die Heizung. Ein Messebesuch.

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Schnöde Wasserhähne gibt es nicht mehr, sonst würden diese Ausstellungstücke auf der Frankfurter Messer ISH ja nicht von der Decke hängen.
Schnöde Wasserhähne gibt es nicht mehr, sonst würden diese Ausstellungstücke auf der Frankfurter Messer ISH ja nicht von der Decke...Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Es ist kein einfacher Wasserhahn. Sondern ein transparenter Wasserbrunnen. Sagen jedenfalls die Spezialisten von Hansgrohe zur Armatur mit dem Namen „Starck“. Tatsächlich ist der Auslauf der Armatur aus Kristallglas, an der oberen Seite offen und kann abgenommen und in der Spülmaschine gereinigt werden. „Starck“ produziere einen faszinierenden Wasserwirbel und sorge für ein intensiv-sinnliches Wassererlebnis, sagen die Armatur-Experten aus dem Schwarzwald. Zusätzlich ist „Starck“ auch noch sparsam, lässt pro Minute nur vier Liter Wasser durch. Hansgrohe-Chef Thomas Klapproth präsentiert das Hightech-Teil in diesen Tagen stolz auf dem Messestand des Unternehmens auf der ISH, der weltgrößten Sanitär-, Energie- und Klimatechnik-Ausstellung in Frankfurt am Main. Genauso wie den Rainmaker „Select“, die erste Brause-Armatur aus Glas. Für beachtliche 1999 Euro.

Solche Produkte sind Design-, aber auch technische Highlights auf einer Messe, die noch vor wenigen Jahren abschätzig als „Interklo“ tituliert wurde. Heute ist sie eine Hightech-Schau, die längst Akzente setzt auch für den Klimaschutz und die Energiewende.

Die Heizungsbranche profitiert von der Energiewende

Die Messehalle ist voll wie an Tagen der Internationalen Automobilausstellung, die Stände sind umlagert. Für Manfred Stather ist es die wichtigste Messe nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Hier sieht der Präsident des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und Eigentümer der Freiburger Stather GmbH die neuesten Trends, Produkte und Entwicklungen für eine Branche, die längst nicht nur für moderne, barrierefreie und altersgerechte Bäder eine zentrale Rolle spielen. Es sind verbrauchsarme und umweltfreundliche Heizungen zu sehen, für die längst das digitale Zeitalter begonnen hat und die sich über das Smartphone fernsteuern lassen.

Bei der ISH geht es ums Design im Bad.
Bei der ISH geht es ums Design im Bad.Foto: dpa

„Mehr als 15 Millionen Heizungen in Deutschland und 75 Prozent des Bestandes sind veraltet. Würden sie modernisiert, könnten rund 13 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs eingespart werden“, sagt Martin Viessmann, Chef und Eigentümer der gleichnamigen Heizungs- und Klimatechnik-Firma aus Nordhessen. Allein dadurch könne die Energie-Lücke geschlossen werden, die sich durch das Aus der Atomkraft auftue.

Nur 29 Prozent der Heizungen in Deutschland auf dem Stand der Technik

Da ist in den Frankfurter Messehallen noch bis zum 14. März unter anderem eine Luftwärmepumpe zu bestaunen, die Luft als Wärmequelle nutzt und so Klima und Umwelt schont. Und hybride Heizungsanlagen von Viessmann, die eine Wärmepumpe und einen Brennwertkessel kombinieren, wie Viessmann stolz erzählt. Die Geräte basieren auf Gas oder Öl und Strom und werden nicht nur entsprechend der Außentemperatur automatisch gesteuert, sondern auch so, dass jeweils die günstigste Energieform genutzt wird, und zwar zu nahezu 100 Prozent.

Allerdings sind solche Heizungen in Deutschland noch rar. Von 20,5 Millionen Anlagen nutzen nicht einmal fünf Millionen die Brennwerttechnik, von Hybrid-Geräten ganz schweigen. „Nur 29 Prozent der Heizungen entsprechen dem Stand der Technik“, sagt Stather. Im vergangenen Jahr seien gerade mal 681 000 Anlagen erneuert worden, vier Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dabei wird 40 Prozent der Endenergie in Deutschland in Wohngebäuden verbraucht. „Im Durchschnitt werden Heizungen nach 25 Jahren ausgetauscht“, sagt Viessmann. „Spätestens nach 15 bis 18 Jahren sollten sie ersetzt werden. Sein Auto fährt niemand so lange“, sagt der Heizungsbauer und hat dabei natürlich auch das eigene Geschäft im Auge.

Der selbst öffnende Klodecke kommt zurück

Mit Blick auf das Bad geht es auf der ISH, zu der knapp 2500 Aussteller aus 59 Ländern nach Frankfurt gekommen sind, „nicht um die große Revolution und etwa die Abschaffung des Wasserhahns“, sagt Jens Wischmann von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Sondern um Design und Funktionalität bei Duschkabinen, um transparente Wasserhähne wie jener von Hansgrohe oder Toiletten mit einem sich selbst öffnenden Deckel und Sitzheizung. Geräte also, hinter denen sich viel Hightech verbirgt. Wichtig auch: die Umgestaltung in barrierefreie und altersgerechte Bäder. „Bei 60 bis 80 Prozent der Aufträge geht es um Renovierung“, sagt Stather. Dabei stehen die Experten allerdings auch deshalb vor einer Herausforderung, weil ein Bad in Deutschland im Schnitt nur 7,8 und selbst in Neubauten kaum mehr als zehn Quadratmeter misst.

Arbeit haben die Hersteller und das Handwerk genug, das zeigen auch die vollen Messehallen in Frankfurt. Fachbesucher kommen aus aller Welt. Seit Jahren wächst das Geschäft kontinuierlich. 2014 verbuchten die rund 51 300 Unternehmen der Branche hierzulande mit ihren 509 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 52,3 Milliarden Euro, ein Plus von zwei Prozent. Auf Deutschland entfielen davon gut 43 Milliarden, auf die rund 50 300 Handwerksbetriebe fast 39 Milliarden Euro. ISH steht längst nicht mehr nur für Sanitär und Heizung, sondern für Energieintelligenz, für Gebäude-, Energie- und Klimatechnik und für Erneuerbare Energie. „Wir können der Welt zeigen, wie die Energiewende funktioniert. Wir erreichen mehr als die vielen Klimakonferenzen“, sagt Manfred Greis, Präsident des Heizungsverbandes BDH.

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