Wirtschaft : Fachwirte an die Uni

IHK und Hochschule verbinden erstmals Studium mit beruflicher Weiterbildung

Lange schon wurde darüber diskutiert, nun macht der südlliche Teil Deutschlands den ersten Schritt: Fachwirte aus der Industrie können jetzt mit einem einzigen Lehrgang den Betriebswirt- und zugleich den Bachelor-Titel erlangen. Dazu kombinieren die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg und die Hochschule Furtwangen University (HFU) einen betriebswirtschaftlichen Studiengang mit der beruflichen Weiterbildung.

„Dieses Angebot ist einzigartig in Deutschland und eröffnet ein neues Kapitel in der Bildungsgeschichte unseres Landes“, sagt Thomas Albiez, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg in Villingen-Schwenningen. Denn erstmals könne man als Praktiker auch ohne Abitur zum Hochschul-Abschluss durchstarten - und zwar berufsbegleitend. Damit ist die schon vielfach geforderte Durchlässigkeit der verschiedenen Bildungswege und der Hochschulen gegenüber Fachwirten ein Schritt weiter gekommen. Ob und wann andere Bundesländer wie Berlin nachziehen, wird sich zeigen.

Markus Hoch, Professor an der HFU hat das Angebot mitentwickelt. Er betont: „Dies ist der Anfang einer neuen Entwicklung in der Fachkräftegewinnung und -bindung mittelständischer Unternehmen.“ Das kombinierte Weiterbildungs- und Studienangebot entspricht dem Wunsch zahlreicher Unternehmen, heißt es bei der IHK.

Sie wollen leistungsbereiten Mitarbeitern ohne Hochschulreife im Rahmen der berufsbegleitenden Weiterbildung ein Hochschulstudium ermöglichen. So können sie ihre Fachkräfte auf die zunehmend anspruchsvolleren Aufgaben im Betrieb vorbereiten und interessante Aufstiegsmöglichkeiten bieten. Ebenso können sie damit Anreize schaffen, dem Betrieb die Treue zu halten. Denn: „Oft gehen den Unternehmen Fachkräfte verloren, weil diese für ein Vollzeitstudium in eine andere Stadt ziehen“, berichtet Thomas Albiez.

Der erste Studiengang mit 16 Plätzen startet im Oktober 2010. Er dauert sieben Semester. Die Seminare finden an zwei Abenden in der Woche und samstags an der IHK Akademie Villingen-Schwenningen statt. Die Teilnehmer können Meister-BaföG oder ein Stipendium beantragen.

Zugangsvoraussetzung ist eine erfolgreich abgeschlossene Weiterbildung zum Geprüften Fachwirt IHK, für die zwei Semester veranschlagt sind. Nach zwei weiteren Semestern legen die Teilnehmer die Prüfung zum „Geprüften Betriebswirt IHK“ ab. Nach drei weiteren Semestern schließt das Studium mit dem Bachelor of Arts ab. „Es ist der höchste Abschluss im Weiterbildungswesen der deutschen Industrie- und Handelskammern. In Verbindung mit dem international anerkannten BA-Abschluss der renommierten Hochschule Furtwangen qualifizieren sich die Absolventen besonders für kaufmännische Führungsaufgaben“, sagt Albiez.

Die praxisnahen Studieninhalte umfassen das gesamte Spektrum der Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensführung. Darüber hinaus stehen Internationale Rechnungslegung, internationales Marketing und interkulturelles Management auf dem Lehrplan. „Dieses Angebot macht Ernst mit der vielfach geforderten Durchlässigkeit zwischen beruflicher Bildung und Hochschulausbildung. Es ist eine zukunftsweisende Option für den Fachkräftenachwuchs“, sagt Thomas Albiez. AFP

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