Fälschungen : Jährlich Milliardenschaden durch Produktpiraten

Waschmittel statt Rolex - wenn es um das Kopieren von Waren geht, sind Produktpiraten nicht mehr wählerisch. Standen vor einigen Jahren noch Luxusgüter im Blickpunkt der Fälscher, haben sie es mittlerweile auch auf Alltagsgüter abgesehen.

Tonia Haag[ddp]
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Produktpiraten fälschen längst nicht mehr nur Luxusuhren. -Foto: dpa

Berlin35 Milliarden Euro betrage der Schaden, der den europäischen Konsumgüterherstellern jährlich durch gefälschte Produkte entstehe, heißt es in der Untersuchung, die die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernest & Young am Donnerstag in Berlin vorstellte. Das sind immerhin zwei Prozent des Gesamtumsatzes und trotzdem nur die "Spitze des Eisbergs", wie Peter Schommer, der Autor der Erhebung, sagt. Denn nicht berücksichtigt seien in den Berechnungen Folgeschäden wie etwa der Imageverlust.

Sicher fühlen kann sich kein Hersteller. "Es wird alles gefälscht", sagt Schommer. Besonders betroffen ist jedoch die Bekleidungsbranche. 60 Prozent der Hersteller geben hier an, dass ihre Produkte "ständig" kopiert würden. Die übrigen 40 Prozent haben zumindest mehrmals pro Jahr mit Fälschungen zu kämpfen. Unter den Kosmetik- und Körperpflegemittelherstellern finden sogar 72 Prozent der Befragten "ständig" Fälschungen. Weitere 14 Prozent geben an, mehrmals pro Jahr Kopien ihrer Produkte zu finden.

Gefälschte Getränke

Überrascht habe ihn jedoch, dass auch die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie vor Fälschungen nicht mehr sicher sei, sagt Schommer. Mehr als die Hälfte der Anbieter habe es eigenen Angaben zufolge "ständig" oder doch zumindest mehrmals im Jahr mit Kopien ihrer Waren zu tun.

Problem seien jedoch nicht nur die Fälscher, sondern auch die Verbraucher, betont der Studien-Autor. Oftmals wüssten sie, dass sie nicht die Originalprodukte kauften. Sogar über mögliche Risiken wie Gesundheitsgefahren seien sich viele im klaren. Dass sie trotzdem zur Fälschung griffen, liege meist am niedrigeren Preis. Ein schlechtes Gewissen den Herstellern des Originals gegenüber plage sie danach kaum. "Der Kauf von Fälschungen wird als Kavaliersdelikt abgetan", sagt Schommer. Fälschungen seien mittlerweile "mehr oder weniger gesellschaftsfähig".

Genau hier will der Markenverband ansetzen. Das Bewusstsein der Verbraucher müsse in diesem Punkt geändert werden, befindet Christoph Kannengießer, der Hauptgeschäftsführer des Verbands. Wie er das genau erreichen will, sagt er allerdings nicht.

Mindeststrafe für Produktpiraten gefordert

Auch die Politik müsse endlich tätig werden, solle Mindeststrafen für Fälscher einführen, fordert Kannengießer. Bislang sei die Produktpiraterie "die wahrscheinlich am meisten unterschätzte Form der organisierten Kriminalität" und das Risiko, entdeckt zu werden nur gering. Probleme bei der rechtlichen Verfolgung dürfte allerdings die ausländische Herkunft der Fälscher machen. Die meisten Produktpiraten kommen aus China und anderen asiatischen Ländern, wo sie vor Zugriffen durch die deutsche Justiz relativ sicher sein dürften.

Wer sich selbst vor falscher Ware und den damit verbundenen Risiken schützen wolle, solle kleine Märkte meiden und lieber in bekannten Geschäften einkaufen, rät Schommer den Verbrauchern. Denn im großen Handel landeten nur sehr selten Kopien.

Für die Studie hatte Ernst & Young 2500 Verbraucher aus Deutschland und Österreich sowie aus den Niederlanden und der Schweiz befragt. Außerdem gaben 27 Unternehmen aus der gesamten EU Auskunft.

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