Fahrplanwechsel im Dezember : Deutsche Bahn erhöht Ticketpreis im Schnitt um 1,3 Prozent

Die Deutsche Bahn macht die Fahrscheine teurer. Trotz Preiserhöhung soll es 2017 aber wieder 19-Euro-Tickets geben. Die Preise steigen künftig vor allem an verkehrsreichen Tagen.

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Die Fahrkarten der Deutschen Bahn werden teurer.
Die Fahrkarten der Deutschen Bahn werden teurer.Foto: dpa

Bahnfahren wird teurer. Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember steigen die Ticketpreise im Fernverkehr der Deutschen Bahn um durchschnittlich 1,3 Prozent. Die Bahn reagiert mit dieser Anhebung – der ersten seit zwei Jahren – auf eine scheinbar paradoxe Entwicklung: Noch nie sind so viele Menschen Bahn gefahren wie 2016 – und trotzdem erzielt der Schienenkonzern weniger Umsatz als geplant. Vom Gewinn ganz zu schweigen. Zahlen nennt die Bahn nicht, bittet aber nun ihre Kunden zur Kasse, damit der Abstand zwischen Wunsch und Wirklichkeit nicht noch größer wird.

„Zu einer stabilen Wirtschaftlichkeit gehört auch, dass wir die Preise anpassen“, begründete Fernverkehrschefin Birgit Bohle am Freitag den Schritt. „Moderat“ sei die Maßnahme, die Bahn biete ihren Kunden gleichzeitig ja auch mehr fürs Geld: Pünktlichkeit und Komfort, zum Jahresende flächendeckendes W-Lan auch in der zweiten ICE-Klasse sowie einen „bunten Blumenstrauß“ attraktiver Preisangebote.

Gerade Letztere waren es, mit denen die Bahn zuletzt ihre Züge füllte. Das 19-Euro-Ticket, das es Bohle zufolge auch 2017 wieder geben soll, verkaufte sich 2016 bislang 3,5 Millionen Mal. Hinzu kamen größere Sparpreiskontingente und die Abschaffung der Vorkaufsfrist. All dies zog Gelegenheitsfahrer an, die sonst den Fernbus oder einen Billigflieger genommen hätten. „Das macht Sinn, weil wir zusätzliche Kunden gewinnen“, sagte Bohle. Sie rechnete vor, dass das Preisniveau seit 2013 um 15 Prozent gesunken sei, während die Zahl der verkauften Tickets um ebenfalls 15 Prozent zugenommen habe. „Das ist dem aggressiven Wettbewerbsumfeld geschuldet“, sagte Bohle.

Preise für Bahncard 25 und 50 bleiben unverändert

Nun versucht der Staatskonzern, der im vergangenen Jahr 132 Millionen Fahrgäste transportierte, einen Spagat: Die Billigstrategie wird weitergefahren, während gleichzeitig Stammkunden und Vielfahrer mehr bezahlen müssen. So werden Streckenzeitkarten 3,9 Prozent teurer, die Bahncard 100 verteuert sich um 2,4 Prozent in der zweiten und 2,9 Prozent in der ersten Klasse. Auch die Stornogebühr für die Rückgabe eines Tickets steigt – um 1,50 Euro auf 19 Euro. Stabil bleiben hingegen die Preise der Bahncard 25 (62 Euro) und 50 (255 Euro), die 4,6 Millionen Kunden nutzen.

Lange stabil. Im Fernverkehr wurden zuletzt vor zwei Jahren die Preise in der ersten Klasse erhöht.
Lange stabil. Im Fernverkehr wurden zuletzt vor zwei Jahren die Preise in der ersten Klasse erhöht.Foto: null

Erstmals führt die Bahn für den Flexpreis, den 40 Prozent aller Kunden bezahlen, differenzierte Tarife für unterschiedliche Reisetage ein. Das mache die Tickets dann etwas teurer, wenn alle fahren wollten, und billiger, wenn viele Plätze frei blieben, sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube dem „Handelsblatt“ vom Freitag. Das System, das die Fluggesellschaften schon lange anwenden, wird die Bahn zunächst an 30 Tagen im kommenden Jahr testen. Zum Beispiel am Pfingstwochenende. Dann kostet etwa die Bahnfahrt von Frankfurt (Main) nach München generell 103 Euro, am reisestarken Freitag aber 106 Euro und am Sonntag 100 Euro. Die Bahn will erreichen, dass sich Reisende gleichmäßiger auf die Züge verteilen und sich so die Auslastung der Züge besser steuern lässt. Sie liegt aktuell im Durchschnitt bei 52 Prozent, optimal wären nach Angaben der Bahn 55 bis 60 Prozent. „Wir erwarten mehr Nachfrage und im Schnitt eine leichte Preiserhöhung“, sagte Fernverkehrschefin Bohle.

Fahrgastverband kritisiert "flexible Flexpreise"

Der Fahrgastverband „Pro Bahn“ reagierte verhalten auf die Preiserhöhungen: „Unternehmerisch kann man verstehen, dass die Bahn nach Jahren ihr Preissystem anfasst“, sagte Karl-Peter Naumann von der Fahrgastlobby dem Tagesspiegel. Skeptisch sei er mit Blick auf die „flexiblen Flexpreise“: „Das geht in die falsche Richtung.“ Ein ähnliches System habe die Bahn bei Nachtzügen bereits wieder abgeschafft. „Ich könnte es verstehen, wenn man den Mehrzahlern gleichzeitig ein besseres Angebot machen würde, etwa durch den Einsatz zusätzlicher Züge“, sagte Naumann. „Wochenendpendler werden trotzdem nicht am Donnerstag fahren.“ Auch sei die von der Bahn in Aussicht gestellte Billigstrategie intransparent, solange der Konzern nicht angebe, wie groß das Kontingent der Spar- und 19-Euro-Tickets 2017 sein werde. Die Wirtschaftlichkeit des Fernverkehrs werde im Übrigen so lange unbefriedigend bleiben, solange etwa Fernbusse unter besseren Wettbewerbsbedingungen unterwegs seien (keine Maut, niedrige Spritpreise).

Grüne fordern Halbierung der Trassenpreise

Diesen Aspekt kritisierte auch Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. „Die Deutsche Bahn muss leider einmal mehr an der Preisschraube drehen, weil Verkehrsminister Dobrindt dringend notwendige Strukturreformen bei der Bahn nicht anpackt“, teilte Gastel mit. Nötig sei eine Absenkung der Trassenpreise, damit die Kosten und Abgaben im deutschen Schienenverkehr endlich niedriger ausfielen. „Dann könnten auch die Bahntickets günstiger angeboten werden“, glaubt Gastel. „Ich bin fest davon überzeugt, dass mit einer Halbierung der Trassenpreise die Bahntickets rund 20 Prozent günstiger angeboten werden könnten“, sagte der Grünen-Politiker.

Bahn-Kunden, die Anfang 2017 noch zu den aktuell günstigeren Preisen reisen wollen, haben noch bis zum 11. Dezember die Möglichkeit, Tickets zu kaufen – die Reservierungen gelten bis zu sechs Monate im Voraus.

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