Wirtschaft : Fahrräder: Porsche auf zwei Rädern: Autokonzerne entwickeln Fahrräder der Luxusklasse

Flora Wisdorff

Noch vor einigen Jahren wäre es ein schier unmögliches Vorhaben gewesen, einen überzeugten Autofahrer aus seinem bequemen Gefährt zu locken. Entweder Auto oder Fahrrad - das waren zwei komplett verschiedene Lebensphilosophien. Seitdem das Hollandrad mit Dreigangschaltung nicht mehr das Non-plus-Ultra ist und sich sogar die Autokonzerne mit dem umweltfreundlichen Fortbewegungsmittel identifizieren können, ist das jedoch anders.

BMW, Audi, Porsche, Daimler - alle haben mittlerweile neben Cabrios und Kombis auch mehrere Fahrradmodelle im Sortiment. Bedingung: "High Tech" muss es sein. Und das heißt mindestens: Der Rahmen ist aus Carbon oder Aluminium, die Bremsen vollhydraulisch, Hinterrad und Vorderrad sind voll gefedert. Allerdings nähern sich die Preise der High-Tech-Fahrräder dann auch schnell dem Preis eines Kleinwagens an: Bei einem der größten deutschen Hersteller, Rotwild, kostet das billigste Zweirad 3000 Euro, nach oben geht es dann bis über die 8000er-Grenze hinweg.

Vom Gesamtfahrradmarkt macht dieser Luxusbereich allerdings nur fünf Prozent aus. Aber die Nachfrage wächst beständig - BMW zum Beispiel verkaufte im vergangenen Jahr 2400 Stück ihrer hochtechnologischen Zweiräder, im Jahr davor waren es noch 2000. Auch bei Rotwild gingen die Verkaufszahlen nach oben: inzwischen verkauft der Luxushersteller 2000 Fahrräder im Jahr, im ersten Geschäftsjahr 1996 sind es laut Geschäftsführer und Mitgründer Peter Schlitt nur 300 gewesen. Und auch der Rahmenhersteller Storck registrierte in den letzten Jahren zehnprozentiges Wachstum bei den verkauften Stückzahlen. Insgesamt wandern laut Schlitt jährlich um die 15 000 High-Tech-Fahrräder über die Ladentheken. "Wir profitieren noch immer vom Mountain-Bike-Boom", sagt Ralf Dörner, Vertriebsleiter und Produktmanager bei Storck, die mit ihrem Carbon-Fahrrad "Storck Organic" den Design-Innovation-Preis vom Design-Zentrum Nordrhein-Westfalen gewonnen haben. Das Mountainbike sei das Zugpferd für die Innovationen gewesen, die jetzt auch auf Renn- und Trekkingräder übertragen werden. Die Rahmen aus Materialien wie Carbon, aus dem zum Beispiel die Formel-Eins-Rennautos gefertigt sind, oder Aluminium, sind besonders leicht. Und: Ihre "Steifigkeit" ist sehr hoch, das heißt sie sind besonders fest - und leiten so die Energie effizient zum Rad weiter. Die Scheibenbremsen, wie beim Auto, bremsen auch bei Nässe gut, und die Federung macht das Fahren bequem - und sicherer, sagt Dörner.

Um Rahmen, Federung und Bremsen optimal zu fertigen, arbeiten die Hersteller inzwischen meist mit Instituten und Hochschulen zusammen. Rotwild zum Beispiel kooperiert mit dem Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit, die Hersteller von Storck entwickelten ihren Carbonrahmen mit der technischen Universität Hamburg-Harburg.

Kaufen würden die Fahrräder einerseits die Technikbegeisterten, aber auch diejenigen, die ein besonders ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein haben, sagt Dörner. Und die Sportenthusiasten natürlich. Von denen profitieren die Luxushersteller besonders: "Viele kaufen sich, nachdem sie bereits ein Mountainbike erworben haben, noch ein Rennrad dazu und umgekehrt", sagt Dörner. Sorgen für die Zukunft macht sich Schlitt von Rotwild nicht: "Wie bei allen Luxusartikeln wird es immer genug Leute geben,die Geld dafür ausgeben".

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