Fair-Trade-Produkte : „Das gute Gewissen kauft mit“

Psychologin und Handelsforscherin Bettina Willmann erzählt, wie man mit Shoppen die Welt verbessern will.

Frau Willmann, statt zu sparen geben die Deutschen auch in der Krise immer mehr Geld für fair gehandelte Produkte aus. Sind wir verantwortungsbewusster geworden?

Tatsächlich ist ein zunehmendes Bedürfnis nach Nachhaltigkeit zu erkennen. Vielen Verbrauchern ist es wichtig, zu wissen, dass Produkte unter vernünftigen Bedingungen hergestellt wurden.

Warum ist das so?

Wir werden verstärkt mit Schreckensnachrichten konfrontiert – der Tsunami und die Atomkatastrophe in Japan zum Beispiel. Oder die teils schlimmen Arbeitsbedingungen in Indien. Umweltthemen rücken in den Fokus, und uns wird die soziale Dimension, die das mit sich bringt, bewusst. Direkt etwas dagegen tun können Kunden nicht, aber sie können beim Einkauf auf Fairness achten.

Die Moral kauft also mit ein?

Ja, bei Fair-Trade-Produkten kauft man ein gutes Gewissen mit. Wenn die Menschen zu zertifizierten Waren greifen, spielt der Gedanke eine Rolle, die Welt ein bisschen zu verbessern. Das entspricht dem gesteigerten Wertesinn.

Es ist noch gar nicht lange her, dass Kunden mit dem Geiz-Gedanken in die Geschäfte gelockt wurden.

Der Trend geht zurück zum Ursprünglichen, zu den klassischen Unternehmertugenden: Zuverlässigkeit, Qualität, Ehrlichkeit. Unsere Umfragen haben ergeben, dass inzwischen neun von zehn Deutschen etwas mit dem Begriff „Nachhaltigkeit“ anfangen können. Und über die Hälfte beim Einkauf versucht, auf nachhaltige Produkte zu achten.

Dennoch kommen fair gehandelte Produkte in Deutschland insgesamt nur auf einen Marktanteil von knapp zwei Prozent.

Nicht alle, die Fair Trade befürworten, kaufen die angebotenen Produkte auch. Es geht darum, dass Verbraucher die Wahl haben. Dass ihnen die Möglichkeit gegeben wird, zwischen konventionellen und fair gehandelten Waren zu entscheiden.

Was bedeutet das für die Unternehmen?

In Zukunft werden wahrscheinlich immer mehr ihre Produkte fair herstellen – für ihr Image ist das wichtig, aber auch fürs Geschäft. Denn die Menschen in Deutschland sind gegenüber Anbietern durchaus boykottbereit.

Das Gespräch führte Katrin Schulze.

Bettina Willmann ist Psychologin und beschäftigt sich als Bereichsleiterin am Institut für Handelsforschung in Köln unter anderem mit dem Konsumverhalten.

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