Wirtschaft : Fairen Wettbewerb im Verkehr gefordert

BERLIN (chi).Der Stillstand ist programmiert.Der Güterverkehr in Deutschland - Transitland Nummer eins in Europa - wird bis zum Jahr 2010 um 37 Prozent zunehmen, der Personenverkehr um 26 Prozent, prognostiziert das Ifo-Institut.Doch für neue Straßen und Autobahnen fehlt nicht nur der Platz, sondern auch das Geld, mit der Verlagerung auf die Schiene hapert es, und das anhaltende Gezerre auf EU-Ebene um Fernverkehrsabgaben und "road-pricing" trägt nicht zur Beruhigung bei.Nun schlägt die Wirtschaft Alarm: Um zu einer besseren Auslastung der vorhanden Verkehrsträger zu kommen, müßten endlich "faire Wettbewerbsbedingungen" auf europäischer Ebene geschaffen werden, fordert das Deutsche Verkehrsforum, in dem Firmen aller Branchen der Verkehrswirtschaft vertreten sind, im Vorfeld der Mitgliederversammlung am Mittwoch in Berlin.Von einheitlichen Regelungen in Europa könne heute "mitnichten" gesprochen werden, klagte der Vorsitzende des Verkehrsforums, der frühere Bahnchef Heinz Dürr.

"Mit den Schubladenkonzepten aus den 70er Jahren werden wir die Probleme nicht bewältigen können", so Dürr.Gefordert seien vielmehr "intelligente Lösungen", mit denen die vorhandenen Kapazitäten effizienter genutzt, Engpässe beseitigt und die Integration der verschiedenen Verkehrsträger beschleunigt würden.Ohne eine faire Kostenverteilung, in der jeder Nutzer die von ihm verursachten Kosten trägt, sowie einer Harmonisierung der noch sehr unterschiedlichen Systeme in den einzelnen EU-Staaten werde man diesem Ziel nicht näherkommen.Dürr räumte ein, daß die Harmonisierung "eine Herkulesaufgabe" sei.Viel wäre aber schon erreicht, wenn die geltenden Verordnungen und Richtlinien in Europa "konsequent durchgesetzt" würden.

Der Aufruf kommt zur rechten Zeit.Denn heute und morgen treffen sich die EU-Verkehrsminister in Dortmund.Beraten werden soll dort, wie in Bonn zu erfahren war, über Lkw-Gebühren und Satellitensysteme für die Steuerung des Verkehrs.

Das Auto werde auch in Zukunft sowohl für den Personen- wie den Gütertransport die herausragende Rolle spielen, betonte Dürr.Die Bahn könne "nicht in jeden Hinterhof" fahren.Für 80 Prozent der Transporte im regionalen Güterverkehr sei es weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll, sie auf die Schiene zu verlagern.Bei langen Transportstrecken aber habe die Bahn eindeutig Vorteile, sie müßten nur stärker genutzt werden.Mehr Wettbewerb auf der Schiene könne hier für "Kreativität" sorgen.Doch offenbar sei man in dieser Frage wieder auf dem Rückzug, sagte Dürr: Er habe den Eindruck, "als schwinde bei manchen europäischen Eisenbahnern und Politikern die unternehmerische Aufbruchstimmung der 90er Jahre".

Offenbar trauen aber auch viele Bundesbürger der Bahn nicht zu, die Probleme bewältigen zu können.In einer Umfrage, die das Infas-Institut im Auftrag des Verkehrsforums durchführte, hielten 60 Prozent der Befragten den Ausbau der Autobahnen für nötig, nur 30 Prozent räumten der Schiene den Vorrang ein.

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