Fairer Handel : Mehr Umsatz mit gutem Gewissen

Immer mehr Verbraucher achten darauf, unter welchen Bedingungen die Waren, die sie kaufen, produziert werden. Der faire Handel in Deutschland boomt.

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Bei der Ernte. Ruben ist Fairtrade-Kaffeebauer in Peru.
Bei der Ernte. Ruben ist Fairtrade-Kaffeebauer in Peru.Foto: Transfair/C. Nusch

Berlin - Immer mehr Verbraucher achten darauf, unter welchen Bedingungen die Waren, die sie kaufen, produziert werden. Im vergangenen Jahr gaben die Deutschen 322 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte aus. Während der Einzelhandelsumsatz in Deutschland um zwei Prozent und der Lebensmittelhandel um 1,3 Prozent schrumpften, legte der faire Handel im Jahresvergleich um 21 Prozent zu. Innerhalb der vergangenen fünf Jahre verdreifachte er sich sogar. Gerade in Krisenzeiten profitiere die Sparte von ihrer hohen Glaubwürdigkeit, sagte Antje Edler, Koordinatorin des Forums fairer Handel in Berlin.

Das Forum wurde 2002 gegründet, um die Aktivitäten des fairen Handels in Deutschland zu koordinieren. Ihm gehören zum Beispiel die Weltläden an, Handelsorganisationen wie Gepa oder El Puente und die Siegel-Organisation Transfair. Ziel der Mitglieder ist es, für mehr Gerechtigkeit im internationalen Handel zu sorgen. Durch bessere Handelsbedingungen wie etwa Mindestpreise und die Sicherung sozialer Rechte für benachteiligte Produzenten vor allem in den Ländern des Südens will der faire Handel einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung leisten. Um das Fairtrade-Siegel zu bekommen, müssen sich die Produzenten und Händler an ökonomische, ökologische und soziale Standards halten. 2009 wurden nach Angaben des Forums weltweit für 3,4 Milliarden Euro Produkte mit dem Siegel verkauft. Etwa sechs Millionen Menschen profitieren direkt oder als Familienmitglied von verbesserten Lebensbedingungen durch den fairen Handel.

Rund 800 verschiedene Produkte des fairen Handels gibt es in Deutschland. Deutliche Absatzsteigerungen gab es 2009 bei Kaffee, Fruchtsäften, Reis und Zucker. Aber auch wenn die Verkaufszahlen steigen, ist ihr Anteil am gesamten Einzelhandel (401 Milliarden Euro Umsatz in 2009) und am Lebensmittelhandel (131,6 Milliarden Euro) immer noch verschwindend gering. So liegt etwa der Anteil der fair gehandelten Bananen bei 1,6 Prozent, der des Kaffees am gesamten Kaffeeverkauf in Deutschland bei 1,3 Prozent, sagte Edler. Andere Länder sind da weiter: So liegt der Anteil fair gehandelten Kaffees in Großbritannien bei 25 Prozent. Während deutsche Verbraucher im vergangenen Jahr pro Kopf rund drei Euro für Produkte mit Fairtrade-Siegel ausgaben, waren es in Großbritannien umgerechnet 15 Euro und in der Schweiz sogar 23 Euro.

Hierzulande sind es vor allem die oberen Einkommensgruppen, die Produkte des fairen Handels kaufen. Inzwischen bieten auch Discounter wie Lidl Produkte mit Transfair-Siegel an. „Durch das zunehmend flächendeckende Angebot haben immer mehr Menschen die Möglichkeit, den Kauf fair gehandelter Produkte in ihren Alltag zu integrieren“, sagte Edler. Das Forum hat auch keine Berührungsängste mit Unternehmen wie Lidl, die selbst wegen schlechter Arbeitsbedingungen in der Kritik stehen. Man hoffe, dass es Lidl nicht dabei belasse, einfach nur Fairtrade-Produkte ins Regal zu stellen, sagte Edler. In jedem Falle aber brauche der faire Handel mehr Verkaufsstellen. Corinna Visser

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