Wirtschaft : Faksimile von Erstauflagen: Göttliche Ordnung aus Berliner Sicht

Detmar Doering

Seit Jahren beglückt uns die Reihe "Klassiker der Ökonomie" mit Faksimiles von Erstauflagen wirtschaftswissenschaftlicher Klassiker. Konnte sich bisher Glasgow eines Adam Smith oder London eines David Ricardo rühmen, so können sich nun auch die Berliner freuen, einen der ihren in dieser Reihe wiederzufinden. Johann Peter Süßmilch wurde 1707 in Zehlendorf geboren und starb 1767 in Berlin-Cölln. Er war zunächst Regimentsprediger und später Oberkonsistorialrat. Auch sein hier vorliegendes Meisterwerk "Die göttliche Ordnung" ist ohne die pietistische Religiosität des friederizianischen Theologen kaum denkbar. Doch hinter aller religiösen Absicht steckt eine überaus "moderne" Pionierleistung der Ökonomie. Süßmilchs Interesse galt der Bevölkerungswissenschaft. In ganz Preußen sammelte er Daten aus Kirchenbüchern über Geburten, Todesfälle und Todesursachen, um sie dann noch mit unzähligen Daten zu vergleichen, die in anderen Ländern bereits publiziert worden waren. Es war keine Sammelei als Selbstzweck, sondern es diente der Entdeckung ökonomischer Gesetzmäßigkeiten, die er eben als Ausdruck der "göttlichen Ordnung" verstand. Ohne in einen starren Dogmatismus zu verfallen, sieht Süßmilch - wohl zurecht, wie wir heute wissen - in der Bevölkerungsvermehrung potenziell durchaus einen Motor für die Wohlstandszunahme.

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