Faktencheck zum Eier-Markt : Dick im Geschäft

230 Eier isst der Bundesbürger im Jahr. Ist das gesund? Und wie geht es überhaupt den Hühnern?

von
Für gekochte Eier und eihaltige Waren gibt es keine Kennzeichnungspflicht. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen das ändern und haben einen Antrag im Bundestag eingebracht.
Für gekochte Eier und eihaltige Waren gibt es keine Kennzeichnungspflicht. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen das...Foto: dpa

Die Deutschen lieben ihr Ei, 2015 aß jeder 233 Stück – Tendenz steigend. Im Ostermonat dürften es noch zwei, drei Eier mehr sein als sonst. Glaubt man dem Branchendienst MEG Eier und Geflügel, ändert das an den Preisen meist nichts. Was aber erfahrungsgemäß sehr wohl eine Rolle spielt, ist der Termin. Je später Ostern gefeiert wird, desto häufiger greifen die Kunden zu bunten Eiern.

Doch die Liebe zum kleinen Rund ist nicht immer ungetrübt. Eier stehen im Ruf, den Cholesterinspiegel in die Höhe zu treiben. Bio-Eier machen mittlerweile 12 Prozent an allen privat gekauften Eiern aus – aber wer weiß schon, ob das Ökoprodukt aus dem Supermarkt von glücklichen Hühnern kommt? Und ist Freilandhaltung wirklich das Gelbe vom Ei? Lesen Sie unseren Faktencheck.

Schädigen Eier die Gesundheit?

Das Eigelb hat nicht den besten Ruf. Ursache dafür sind Ernährungstipps aus den 1980ern. Heute weiß man: Wer gerne Eier isst, muss sich nicht zwangsläufig Sorgen machen. Cholesterin wird vor allem vom Körper produziert, die Aufnahme über die Nahrung spielt eine Nebenrolle. Probleme mit dem Cholesterinstoffwechsel haben oft ältere und übergewichtige Menschen, manche haben eine genetische Veranlagung. Ist der Spiegel sehr hoch, kann das Risiko für Herzerkrankungen steigen, warnt die Deutsche Herzstiftung.

Ob weniger Eier auch weniger Gefahr bedeuten, ist umstritten. Experten raten zu maximal zwei Eiern pro Woche. Bei gesunden Menschen fährt die körpereigene Cholesterinproduktion recht zuverlässig herunter, wenn sie cholesterinreich essen.

Sind Bio-Eier gesünder als normale?

Eier enthalten nicht nur Cholesterin, sondern liefern auch Vitamin B12, Vitamin A und Proteine, die der menschliche Körper gut verwenden kann. Der Nährstoffgehalt hängt jedoch von der Fütterung des Huhns ab – je eintöniger, desto weniger ist drin.

Optimal wäre die Landhuhnernährung aus dem Bilderbuch: Körner, Gras, Würmer, Insekten. Eier von solchen Hühnern sind in Supermärkten und Discountern aber nicht zu finden, egal, ob Bio draufsteht oder nicht. Biohennen werden mit industriellem Futter aus ökologischem Anbau gefüttert, das ebenso wenig ihrer natürlichen Ernährungsweise entspricht wie konventionelles.

Wie bio ist das Bio-Ei wirklich?
Immer wieder gab es in der Vergangenheit Skandale um Etikettenschwindel. Die Verbraucher ärgert das, schließlich gehören Eier zu ihren liebsten Bioprodukten – trotz steigender Produktion ist das Angebot eher knapp. Ob das Öko-Ei wirklich Bio ist, lässt sich optisch nicht erkennen. Verbraucher müssen auf gute Kontrollen vertrauen. Biohöfe müssen strenge Auflagen erfüllen: Im Stall leben maximal sechs Tiere auf einem Quadratmeter, tagsüber gibt es Auslaufmöglichkeiten, das Futter hat Bioqualität. Aber auch bei Bio ist die Landidylle nur selten Realität: Auch Bio-Eier werden meist automatisiert eingesammelt. Im Stall leben die Hühner über einem Becken, das monatelang ihre Exkremente auffängt.

Die Biohennen sind effektive Hochleistungshybride, wie sie auch in konventionellen Betrieben gehalten werden. Durchschnittlich legen sie 293 Eier pro Jahr und brauchen für ein Kilogramm Eier nur zwei Kilogramm Futter. Mit Auslauf ist die Leistung etwas schlechter.

„Bei der Tiergesundheit schneidet Bio nicht per se besser ab als konventionelle Haltung“, räumt Andreas Winkler von der Verbraucherorganisation Foodwatch ein. Auch müsse es Tieren in großen Betrieben nicht schlechter gehen als auf kleinen Höfen, egal, ob Bio oder nicht. „Der Landwirt muss einfach gutes Stallmanagement betreiben.“ Generell, so meint Winkler, reichen die gesetzlichen Vorgaben nicht. Foodwatch fordert Höchstgrenzen für Entzündungsfälle und Antibiotikabehandlungen.

Hauptsache Freilandhaltung?

Freilandhaltung bedeutet mindestens vier Quadratmeter Auslauffläche pro Tier. Im Stall wird es da schon wesentlich enger, hier dürfen bis zu neun Hennen auf einem Quadratmeter gehalten werden – genau wie bei der Bodenhaltung, die keine Auslaufmöglichkeiten bieten muss. Hühner mit Auslauf und Frischluft haben bessere Möglichkeiten, sich artgerecht zu verhalten, etwa im Sand zu baden und zu scharren. Sie belasten die Böden aber enorm mit Kot und Urin und ziehen sich leichter Krankheiten und Parasiten zu.

Ist Käfighaltung Geschichte?

Die Schreckensbilder von Tieren in Legebatterien haben dem Image der Käfighaltung extrem geschadet. Seit 2009 sind die klassischen Legebatterien in Deutschland verboten, 2012 zog die EU nach. Die deutsche Alternative, die sogenannte Kleingruppenhaltung mit mehr Platz und besserer Käfigausstattung, wurde von den Karlsruher Richtern schon 2010 als nicht verfassungskonform erklärt. Im November 2015 beschloss der Bundesrat, dass auch diese Haltung künftig verboten ist, die Auslauffristen enden 2025.

Doch die EU hat ein Abkommen mit der Ukraine, in der Käfighaltung weiterhin erlaubt ist und in der niedrigere Standards gelten. Eier von dort oder vom weltweit größten Eierproduzenten China dürfen in Deutschland für industriell gefertigte Produkte wie Gebäck oder Nudeln verwendet werden. Der Verbraucher wird nicht informiert: Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für die Herkunft der enthaltenen Eier oder des Eipulvers.

Wann hört das Kükentöten auf?

Um die 48 Millionen frisch geschlüpfte Hühner wurden 2015 in Deutschland geschreddert oder vergast, weil sie männlich sind und der Industrie nicht als Fleisch- oder Eierquelle nützen. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) hat den Einsatz einer neuen Technologie angekündigt, die das ab 2017 verhindern soll. Das Geschlecht wird dann schon im Ei bestimmt, männliche Embryos würden einfach nicht ausgebrütet. Das Kükentöten soll aber nicht gesetzlich verboten werden, bekräftigte die große Koalition in der vergangenen Woche.

Woher kommen die Eier künftig?

Der Bedarf an Eiern wächst, allein in Deutschland ist der Verbrauch von 2008 zu 2014 um elf Prozent gestiegen. Hinzu kommen spezielle Verbraucherwünsche: Cholesterinarm soll das Ei sein, viel Protein bieten, Umwelt und Tier nicht belasten und preisgünstig sein. Das US-Start-up Clara Foods will deshalb ein tierfreies Eiweiß auf den Markt bringen, das garantiert frei von Krankheitserregern und Umweltgiften wäre. 1,75 Millionen Dollar haben Investoren bereits gegeben. Wenn das Ei der Zukunft aus dem Labor kommt, wird man nach bunten Ostereiern sehr lange suchen müssen.

Autor

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben