Fall Zumwinkel : Aus dem Amt gejagt

Auf Druck der Bundesregierung muss der Post-Chef gehen. Der Aktie tut das gut. Am Montag wird über die Nachfolge entschieden

Moritz Döbler

Berlin - Es könnte reine Höflichkeit gewesen sein oder auch ein Anflug von Wehmut. Jedenfalls gab es zum Abschied förmlichen Dank für „die hervorragende Leistung beim Aufbau des weltgrößten Logistikkonzerns“. Es war der letzte Satz der Erklärung, die das Aufsichtsratspräsidium der Deutschen Post am Freitag veröffentlichte. Dass Klaus Zumwinkel, der Steuern von rund einer Million Euro hinterzogen haben soll, von der Politik aus seinem Amt als Vorstandsvorsitzender gedrängt werden musste, geht aus den 18 Zeilen mit keiner Silbe hervor. Verschämt ist von einem „Ermittlungsverfahren im Privatbereich“ des Managers die Rede.

Keine 24 Stunden vorher hatte das noch anders geklungen: „Der gesamte Vorstand inklusive seines Vorsitzenden Dr. Zumwinkel ist vollständig handlungsfähig und führt seine Geschäfte wie gewohnt fort“, hatte das Führungsgremium erklärt. Die Razzien, die Vorwürfe, das Geständnis – von all dem hatte der Vorstand gewusst und sich trotzdem hinter Klaus Zumwinkel gestellt. Kein Wunder: Er ist es, der in 18 Jahren aus der defizitären Bundespost einen Global Player gemacht hat. Klaus Zumwinkel war die Deutsche Post.

Am Montagnachmittag ist es damit vorbei, wenn der 20-köpfige Aufsichtsrat den Rücktritt förmlich annimmt und einen Nachfolger bestimmt. Es läuft wohl auf den Mann hinaus, den Zumwinkel als Kronprinz auserkoren hatte: Der 46-jährige Logistik-Vorstand Frank Appel sollte zwar eigentlich erst am Jahresende übernehmen, weil Zumwinkel dann mit 65 in den Ruhestand gehen wollte. Und in Unternehmenskreisen waren auch Zweifel zu hören, ob Appel schon so weit sei. „Der braucht eigentlich noch ein bisschen“, hieß es. Doch dank des Zuspruchs der Gewerkschaft Verdi und der Bundesregierung dürfte er das Rennen machen.

Appel kommt aus Hamburg und hat in seiner Heimatstadt Chemie studiert. Vor 15 Jahren hat er in Zürich im Fach Neurobiologie über „Das Zusammenwachsen von Nervenzellen nach Unfällen“ promoviert, danach ging er zur Unternehmensberatung McKinsey und im Jahr 2000 zur Post, wo er rasant Karriere machte. Er gilt als exakter Analytiker, doch beansprucht er für sich auch Integrität und Nähe zu den Mitarbeitern. „Ich gehe nicht morgens von zu Hause weg und wechsele den Anzug und sage, jetzt bin ich Manager, und wenn ich abends zur Familie komme, bin ich dann wieder ein anderer Mensch“, sagte Appel einmal. Lange wehrte er sich gegen einen großen Dienstwagen.

Auch Finanz-Vorstand John Allan wird als Kandidat gehandelt, gilt aber als abgeschlagen. Der 59-jährige Schotte hatte das britische Logistikunternehmen Exel geführt, das die Post vor gut zwei Jahren übernommen hat. Allan, von Haus aus Mathematiker, ist ein Branchenexperte, der im Finanzmarkt und bei den internationalen Investoren hervorragend ankommt, aber der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbekannt ist und auch kein Deutsch spricht.

Da die Politik den Sturz von Zumwinkel betrieben hat, dürfte sie auch ihren Wunschnachfolger durchsetzen. Es war ungewöhnlich deutlich, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) Zumwinkels Rücktritt begrüßten. „Ich halte diesen Schritt für unvermeidbar, nach dem, was geschehen ist“, sagte Merkel – und Steinbrück erzählte, was geschehen war: dass nämlich Zumwinkel gestanden hatte. Zuvor hatte Finanz-Staatssekretär Werner Gatzer, der den Bund als größten Aktionär im Aufsichtsrat vertritt, den Manager bearbeitet. Verstimmt zeigte sich Merkel darüber, dass Zumwinkel sich nicht selbst öffentlich geäußert hatte. Das tat er auch am Freitag nicht – wie jeden Morgen sei der Chef seit sieben Uhr im Büro im 40. Stock und arbeite, berichtete Konzernsprecher Manfred Harnischfeger.

Eines scheint sicher: Außerhalb des Bonner Post-Towers wird nicht nach einem Nachfolger gesucht. „Die Gesellschafter sind nicht in der Situation, sich in Eile nach einem externen geeigneten Kandidaten umsehen zu müssen“, sagte der Sprecher. Der „Aktie Gelb“ tat Zumwinkels Abschied gut. Nachdem der Kurs bereits am Donnerstag nach oben geschossen war, legte er am Freitag zeitweise nochmals gut drei Prozent zu und schloss mit einem Plus von 1,1 Prozent.

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