Wirtschaft : Fallende Lohnstückkosten in Deutschland

HAMBURG (beu/HB).Die Arbeitskosten in Deutschland sind in der ersten Hälfte der 90er Jahre in Folge des Einigungsbooms beschleunigt gestiegen sind.Das geht aus einer Untersuchung des HWWA-Instituts für Wirtschaftsforschung in Hamburg hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Durch die gleichzeitige kräftige Aufwertung der D-Mark wurde die Verschlechterung der Kostenposition demnach gegenüber dem Ausland noch verstärkt.Dies ging einher mit Anteilsverlusten deutscher Anbieter auf den Weltmärkten und einer spürbaren Zunahme der Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland.Seit Mitte der 90er Jahre habe die Lohnpolitik jedoch hierauf mit Mäßigung reagiert.In den letzten beiden Jahren hätten sich so die Arbeitskosten in Deutschland merklich günstiger entwickelt als in anderen wichtigen Ländern, bilanziert das Hamburger Institut.Zudem habe der Anpassungsdruck die Unternehmen zu Produktivitätssteigerungen veranlaßt, so daß die Lohnstückkosten sogar gesunken seien.

Heute gehört Deutschland zu den Ländern mit den höchsten Arbeitskosten je Stunde.Dem steht aber eine hohe Produktivität gegenüber, so daß das Gefälle bei den Lohnstückkosten im internationalen Vergleich erheblich geringer ist.Wegen der Probleme bei der Messung der Produktivität lasse sich das Gefälle aber nur schwer quantifizieren, stellt das HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung in seinem Gutachten für das Bundeswirtschaftsministerium über die Aussagefähigkeit internationaler Arbeitskostenvergleiche fest.

Die im internationalen Vergleich hohen Löhne in Deutschland seien vielfach durch eine entsprechend hohe Produktivität gedeckt, räumt das HWWA ein.Die hohe Arbeitslosigkeit sei aber ein Indiz dafür, daß die Arbeitskosten in Deutschland im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt zu hoch seien.Ein Kostennachteil Deutschlands liege in der Kumulation von hohen Löhnen und hohen Lohnnebenkosten.Andere Länder mit ähnlich hohen Löhnen wie Deutschland hätten oft niedrige Lohnnebenkosten.Dies allerdings auch, weil die soziale Sicherung stärker privat finanziert werde.In Deutschland seien besonders die staatlich verursachten Lohnnebenkosten in den vergangenen Jahren gestiegen, während die tarifvertraglich oder betrieblich vereinbarten Lohnnebenkosten teilweise sogar reduziert worden seien.Das HWWA fordert daher die Wirtschaftspolitik auf, die von ihr verursachten Lohnnebenkosten zurückzuführen.

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