Falsche Angaben zu Spritverbrauch und CO2-Ausstoß : Autofahrer müssen alles schlucken

Autohersteller versprechen bei Energieverbrauch und Umweltbelastung das Blaue vom Himmel. Den Schaden haben die Verbraucher.

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Schon wieder tanken? Auf die Verbrauchsangaben der Hersteller kann man sich nicht verlassen.
Schon wieder tanken? Auf die Verbrauchsangaben der Hersteller kann man sich nicht verlassen.Foto: dpa

Klaus Müller ist empört. „Die Tricks und Schummeleien müssen ein Ende haben“, meint der Vorsitzende des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (VZBV). Der oberste deutsche Verbraucherschützer ist alarmiert wegen neuer Untersuchungen des Instituts ICCT. Dessen Forscher hatten einst den Abgasskandal bei Volkswagen aufgedeckt und Autofahrer nun mit neuen Warnungen aufgeschreckt.

Danach stoßen neue Fahrzeuge knapp 42 Prozent mehr klimaschädliches Kohlendioxid aus als die Hersteller angeben und verbrauchen zudem deutlich mehr Sprit. Beides ist nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel. Autofahrer müssten für Sprit rund 450 Euro mehr im Jahr ausgeben als die Autokonzerne sie glauben machen wollen, sagt das ICCT. Und: Da die Kfz-Steuer an die CO2-Emissionen geknüpft ist, könnte auch der Fiskus mit Nachforderungen kommen.

Was können Autofahrer tun?

Juristisch gesehen könnten sich die Verbraucher zur Wehr setzen. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs stellt eine Abweichung der CO2-Werte um zehn Prozent einen erheblichen Mangel dar und berechtigt Autofahrer, Gewährleistungsansprüche geltend zu machen. Glaubt man dem ADAC, ist das jedoch nur eine theoretische Möglichkeit. „Die Hersteller bewegen sich mit ihren Messungen in einer rechtlichen Grauzone“, sagte ein ADAC-Sprecher dem Tagesspiegel. „Verbraucher können daher keinen Schadensersatz verlangen.“

Autofahrer tricksen auf dem Prüfstand

Das Problem: Das geltende Recht erlaubt Abgas- und Verbrauchsmessungen auf dem Prüfstand und nicht – was realistischer wäre – auf der Straße. Die Autos werden so präpariert, dass möglichst niedrige Werte herauskommen. Reifen werden voll aufgepumpt, Luftschlitze verschlossen und teures Leichtlauföl verwendet. Damit kommen die Autoproduzenten auf Ergebnisse, die auf dem Papier glänzen, dem Praxistest aber nicht standhalten. Der ADAC, der Autos zwar auch auf dem Prüfstand, aber ohne solche Tricks testet, kommt auf einen durchschnittlich 17 Prozent höheren CO2-Ausstoß und einen zwei Liter höheren Spritverbrauch auf 100 Kilometern. Wer wissen möchte, wie das eigene Modell abschneidet, kann das auf der Seite des ADAC herausfinden.

Finanzamt wartet erst einmal ab

Ob Autobesitzer zu allem Unglück auch noch mit Rückforderungen des Finanzamts rechnen müssen, ist noch unklar. Es bedürfe zunächst einer verkehrsrechtlichen Feststellung, betont das Finanzministerium mit. Dieser folgten dann die Grundlagenbescheide. „Konkrete Folgerungen für die Kfz-Steuer können sich erst ergeben, wenn die Grundlagenbescheide der Zulassungsbehörden vorliegen“, teilte ein Sprecher auf Tagesspiegel-Anfrage mit.

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