Wirtschaft : Falsche Euro-Rechner aus dem Roten Rathaus

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Im Berliner Roten Rathaus wurden so genannte Euro-Rechner verteilt, die mit einem falschen Umrechnungskurs rechnen. Bei den Taschenrechnern ist nicht der korrekte Umrechnungskurs von 1,95583 D-Mark für einen Euro, der seit dem 1. Januar 1999 unverändert feststeht, sondern ein gerundete Kurs von 1,96 D-Mark einprogrammiert. Für den Nutzer ist dies auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Drückt er die entsprechende Programmtaste erscheint auf dem Display sofort die Endsumme.

Doch die Differenz-Summe kann schnell bemerkenswert wachsen. Bei einem Einkaufsbetrag von 200 D-Mark ergibt sich bereits ein Unterschied von 22 Cent. Umgekehrt lautet der Betrag bei 200 Euro wahlweise 391,17 Mark (korrekt) beziehunsgweise 392,00 D-Mark (bei einem Umrechnungskurs von 1,96).

Verteilt wurden diese Rechner im Roten Rathaus anläßlich der Ausgabe der so genannten Starter Kits am 17. Dezember. Rund 20 dieser Rechner seien als Gewinn bei einem Quiz ausgegeben worden, sagte eine Mitarbeiterin der Senatskanzlei. Auch im Rathaus fiel auf, dass die Rechner auf einen Kurs von 1,96 eingestellt waren. Sie wurden deshalb umprogrammiert. Doch - diese Erfahrung musste auch die Rathaus-Mitarbeiterin machen - das Gerät sprang wenig später wieder auf den alten Kurs um. Die Rechner seien von einer Großbank zur Verfügung gestellt worden, heißt es im Rathaus. Wieviele der falschen Rechner im Umlauf sind, wagte am Donnerstag niemand zu schätzen. Klar ist jedoch, dass die Banken tausende von Rechnern bestellt und verteilt haben.

Die Landesbank Berlin bestätigt, dass man die Veranstaltung mit Geld gesponsort habe. "Wir haben aber keine Geräte zur Verfügung gestellt", sagt die Euro-Beauftragte. Auch sie habe Beschwerden über Billig-Rechner gehört. Diese Geräte seien aber immer ohne ein Firmenlogo gewesen. "Sie müssen uralt sein." Vor der Einführung des Euro-Buchgeldes am 1. Januar 1999 seien solche Geräte angeboten worden. Die Rechner der Sparkasse trügen das rote S, die der Berliner Bank das BB-Logo.

Beim DG Verlag in Wiesbaden, dem "Haus- und Hoflieferanten" der Volks- und Raiffeisenbanken, ist das Problem ebenfalls bekannt. Auf dem Markt seien immer wieder "absolute Billigrechner" aus Fernost angeboten worden, sagte ein Sprecher auf Anfrage und betonte, dass man einen weiten Bogen um diese Geräte gemacht habe. Insgesamt hat der DG Verlag rund 250 000 Rechner an die Genossenschaftsbanken verkauft. "Wir haben nur solche gekauft, die die EU-Spezifikationen erfüllen und deshalb das CE-Zeichen tragen", versicherte der Sprecher. Dies bedeute, das Gerät müsse fünf Stellen hinter dem Komma rechnen können, der korrekte Umrechnungskurs müsse eingegeben sein. Die Berliner Volksbank hat nach eigener Aussage nur einige wenige dieser Geräte bestellt.

Die Dresdner Bank hat zwei Arten von Rechnern als Geschenke verteilt. Bei den Geräten, mit denen sich nur D-Mark in Euro umrechnen lässt, ist bereits ein Kurs von 1,95583 eingegeben. Geräte, die verschiedene Währungen in Euro umrechnen, mussten vom Nutzer selbst programmiert werden. Die Deutsche Bank wollte ursprünglich "jede Menge" Rechner unters Volk bringen. Die Filialen hätten sie bestellen sollen, doch dann war dort im Vorfeld der Umstellung so viel zu tun, dass nur weniger als hundert geordert und verteilt wurden, sagt ein Sprecher. Die Rechner seien nicht programmiert gewesen. Die Commerzbank hat bundesweit rund 10 000 Rechner bestellt. Der Produzent sitzt in Fernost. Die Geräte seien aber nicht programmiert gewesen, so ein Sprecher der Commerzbank in Berlin. Auch in der Bedienungsanleitung sei immer nur von dem Umrechnungskurs die Rede gewesen. Konkrete Zahlen tauchten dort nicht auf. Doch nicht immer ist die Bedienungsanleitung fehlerfrei. Bei einem dem Tagesspiegel vorliegenden Rechner ist in der Gebrauchsanleitung ein Umrechnungskurs von 1 Euro = 1,96 D-Mark angegeben. Auch hier ist der Fehler also quasi programmiert.

Einer der Vertreiber von Euro-Rechnern in Deutschland ist die Firma Präsenta in Solingen. "Wir haben einige hunderttausend dieser Rechner verkauft", sagt eine Sprecherin. Sie alle wurden mit einem Firmenlogo versehen und funktionierten einwandfrei, versichert sie. Die Geräte stammten aus dem In- und Ausland. Ihre Bezugsquellen aber will Präsenta nicht nennen.

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