Wirtschaft : Falsche Helden im Kinogeschäft

So sieht es aus, wenn ein Börsenstar fällt: Kinowelt bettelt bei seinen Gläubigerbanken um eine milde Gabe. Halten die Geldgeber nicht weiter still, ist die Traumfabrik Kinowelt ein Fall für den Konkursrichter und Michael Kölmel pleite. Der promovierte Mathematiker hat sich verrechnet. So wie sich vor ihm andere am Neuen Markt verrechnet haben: EM.TV, Kabel New Media, Brokat ... Klingende Namen, die vom Kurszettel verschwinden oder ein Schattendasein fristen werden. Zum Verhängnis wurde allen der Größenwahn. Finanziert vom heißen Geld der Zocker und verführten Anleger, die in den Aufschwungjahren Milliarden in den Neuen Markt pumpten, haben die Mittelständler sich zu üppig ausgestatteten Konzernen aufgeschwungen.

Zu viel Geld in zu kurzer Zeit. Die meisten haben deshalb den Boden unter den Füßen verloren und - wie Kinowelt - ihre finanzielle Macht mit unternehmerischer Weitsicht verwechselt. Kölmel, der als einer der Pioniere in Deutschland das Big Business mit der Ware Film ans Laufen brachte, ist dabei einer der größten Fehler im Mediengeschäft unterlaufen: Er hat sich mit Bertelsmann und Kirch angelegt. Als er als reicher Wachstumsunternehmer 1999 für 300 Millionen Dollar teure Filme vom Medienunternehmen Warner ersteigerte, sahen die Mitbietenden Kirch und Bertelsmann ziemlich arm aus. Doch die Rache war bitter. Mit dem "Boykott" der Warner-Filme in ihren Sendern brachen die Medien-Konzerne Kinowelt das Kreuz. Ein Krimi, ja. Leider nicht für die Anleger, die zu lange auf die falschen Helden gesetzt haben.

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