Wirtschaft : Falsche Hoffnung auf Alan Greenspan

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Von Carsten Brönstrup

Gebannt sehen Anleger und Konjunkturexperten in den USA auf Alan Greenspan, den Chef der amerikanischen Notenbank. Wenn er sich in dieser Woche endlich erweichen ließe und die Leitzinsen ein weiteres Mal senkte, so träumen sie, könnte es mit Produktion und Konsum in den Staaten wieder aufwärts gehen. Und Amerika würde wieder als Lokomotive die Weltwirtschaft aus dem tiefen Schlamassel ziehen, hoffen mit ihnen die exportabhängigen Deutschen.

Doch die GreenspanGläubigen werden in jedem Fall enttäuscht werden. Denn auch ein erneuter Zinsschritt wird die US-Wirtschaft nicht wieder zu starken Wachstumsraten wie in den neunziger Jahren beflügeln. Elf Mal schon hat Greenspan seit Januar 2001 den Preis des Geldes gesenkt – eine in der Wirtschaftsgeschichte beispiellose Lockerung der Geldpolitik. Schon jetzt liegt der Realzins nahe null, wenn man die Inflation abzieht. Genutzt hat alles nichts. Zwar wird die US-Wirtschaft in diesem Jahr um rund drei Prozent wachsen. Doch damit bleibt das Land weit unter seinen Möglichkeiten. Und bis die Verbilligung des Geldes an den Märkten überhaupt ankommt, dauert es Monate – zu lange, um an der aktuellen Wachstumsschwäche etwas zu ändern.

Statt auf die Notenbank zu blicken, sollte sich Amerika auf seine tatsächlichen Probleme konzentrieren: die Verunsicherung der Verbraucher, deren Konsum die wichtigste Stütze der US-Konjunktur ist. Sie halten sich zurück, weil die Bush-Regierung noch immer Kriegsdrohungen ausstößt. Und weil die Heckenschützen-Attacken den Bürgern gezeigt haben, wie unsicher das Leben geworden ist. Mehr Wachstum wird es erst geben, wenn Washington dafür sorgt, dass die Amerikaner wieder über etwas anderes nachdenken als über Krieg und Terror.

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