Wirtschaft : Falsche Hoffnungen

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Von Daniel RheePiening

Kein Zweifel: Karl Kauermann hat die Berliner Volksbank vorangebracht. Zwei Jahre früher als ursprünglich geplant, können die Genossen wieder eine Dividende aus eigener Kraft erwirtschaften und ausschütten, und der „Macher“ kann alte Pläne weiterverfolgen – zum Beispiel den Kauf der Berliner Bank. Die muss die Bankgesellschaft wegen der Auflagen aus Brüssel verkaufen. Das Thema spricht der Volksbank-Chef zur Zeit nur noch mit Zurückhaltung an, aus gutem Grund. Denn ohne die 1,6 Milliarden- Euro-Hilfen des Genossenschafts-Verbandes gäbe es die Berliner Volksbank gar nicht mehr. Darf also ausgerechnet die Berliner Volksbank – kaum mit den Mitteln des Genossenschaftsverbundes genesen – auf Einkaufstour gehen?

Aus Sicht der Berliner Wirtschaft hätte eine Übernahme der Berliner Bank durch die Volksbank und ein späterer Zusammenschluss beispielsweise mit der Mittelbrandenburgischen Sparkasse in Potsdam durchaus ihren Reiz. Damit entstünde eine große Regionalbank. Und ein lokal verwurzeltes Institut ginge besser auf die Wünsche des Mittelstandes ein als eine Bank, die aus Frankfurt am Main oder München gesteuert wird, könnte man erwarten. Davon abgesehen: Deutsche, Dresdner und Commerzbank sind schon jetzt am Berliner Markt. Einer Übernahme würde vermutlich erst einmal eine Welle der Entlassungen folgen.

Aber es bliebe nur eine Berliner Lösung. Und das weckt ungute Erinnerungen. Es bliebe das fade Gefühl, dass die Berliner Bank lediglich auf Druck von Brüssel vom ehemaligen Pleitekandidaten Bankgesellschaft, der mit Steuergeldern gerettet wird, zum ehemaligen Pleitekandidaten Berliner Volksbank, die mit Hilfe des Verbandes gerettet wurde, wechselt. Besser wäre eindeutig ein Käufer aus dem Ausland für die Berliner Bank. Das würde für eine echte Belebung sorgen.

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