Wirtschaft : Falsche Leitkultur

Wenn Manager auch Patrioten sein sollen, geht die Marktwirtschaft zugrunde Von Patrick Adenauer

-

Politiker verlangen, dass Unternehmer sich nicht allein von betriebswirtschaftlichem Kalkül leiten lassen sollen, sondern auch von nationalen, regionalen oder kommunalen Loyalitäten. Die in einer Wettbewerbssituation günstigste Entscheidung soll verworfen, Rückschläge sollen hingenommen werden. Roland Koch forderte im Tagesspiegel eine nationale ökonomische Leitkultur, der sich Unternehmer verpflichtet fühlen sollten.

Nun haben Unternehmer ja bereits eine ökonomische Leitkultur: das Ethos des Dienstes am Konsumenten. Wer dessen Vertrauen verloren hat, kann einpacken. Aber wovon hängt es ab, ob die Produktion an einem Standort noch richtig ist oder nicht? Von den täglichen Entscheidungen der Konsumenten. Die Konsumenten jedoch verhalten sich weltbürgerlich; sie freuen sich über ein günstiges Auto, ob aus Japan oder aus Deutschland, sie trinken gerne französischen Wein oder essen argentinisches Rindfleisch. Die Marktwirtschaft begreifen sie als das, was sie ist: als eine demokratische Veranstaltung zum Wohle der Verbraucher. Was passiert, wenn andere Ziele im Vordergrund stehen, haben wir im Kommunismus gesehen: leere Schaufenster, Armut, fehlende Wettbewerbsfähigkeit bei nur scheinbarer Vollbeschäftigung.

Darum müsste sich der Appell von Herrn Koch an die Konsumenten richten: Kauft deutsche Produkte! Was würde das aber für ein Exportland wie Deutschland bedeuten? Für den Absatz unserer Werkzeugmaschinen, Pharmaprodukte, Autos im Ausland? Diese Überlegung macht klar: Protektionismus ist kurzsichtig und für Deutschland sogar gefährlich.

Breitete sich eine derartige Einstellung aus, könnten auch ausländische Unternehmen vorzugsweise in ihrer Heimat investieren. Es kommen derzeit ja etliche „vaterlandslose“ ausländische Firmen zu uns, weil sie von deutschen Standortvorteilen profitieren. Patriotismus hieße dann für sie: keine Chip-Produktion von AMD in Dresden mehr, keine Rettung von Märklin durch einen angelsächsischen Investor. Umgekehrt dürften deutsche Firmen nicht im Ausland investieren: Daimler-Benz hätte Chrysler nie übernehmen dürfen, Adidas nicht Reebok, BASF nicht Engelhard.

Das heißt: Der Appell an den Wirtschaftspatriotismus als ökonomische Leitkultur verletzt die Logik einer internationalisierten Marktwirtschaft.

Eine fabelhafte Leitkultur wäre es dagegen, wenn die Politiker die Rahmendaten so gestalten, dass es günstiger ist, trotz internationalen Wettbewerbs in Deutschland zu investieren. Doch die Politiker vernachlässigen ihre Pflichten, wenn sie Reformen aus dem Weg gehen. Nur ein am Gemeinwohl orientierter Ordnungspolitiker kann ein echter Patriot sein.

Nur wenige Politiker fühlen sich dieser Leitkultur verpflichtet. Viele möchten vor allem wiedergewählt werden. Es ist aber gerade Aufgabe der Politik, das sachlich Notwendige politisch möglich zu machen. Stattdessen wird nur umgesetzt, was politisch machbar erscheint. Dafür müssen aber Politiker zur Rechenschaft gezogen werden, nicht Unternehmer.

Patrick Adenauer ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer (ASU).

0 Kommentare

Neuester Kommentar