Wirtschaft : Falsche Preisschilder

Verbraucherschützer: Sechs von zehn Grundpreisangaben sind falsch, das macht Vergleiche unmöglich. Der Handel bestreitet das

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Was kostet die Milch? So lange die Molkereien gleich große Verpackungen nehmen, ist das kein Problem. Falls nicht, hilft nur noch der Blick aufs Kleingedruckte. Foto: ddp
Was kostet die Milch? So lange die Molkereien gleich große Verpackungen nehmen, ist das kein Problem. Falls nicht, hilft nur noch...Foto: ddp

Berlin - Oft werden Produkte teurer, ohne dass die Kunden das überhaupt merken. Der Verkaufspreis bleibt gleich, auch die Packung wirkt unverändert. Dass der Hersteller aber jetzt nur 120 Gramm statt – wie früher – 150 Gramm seines Müslis hineinsteckt, merkt man nur, wenn man sich die Packung ganz genau ansieht oder auf den Grundpreis achtet, den der Händler am Regal angeben muss. Dort kann man nachlesen, was 100 Gramm, ein Kilogramm oder ein Liter der Ware kosten.

Doch Verbraucherschützer schlagen jetzt Alarm: Sechs von zehn Preisschildern sind falsch, meldete am Freitag die Verbraucherzentrale (VZ) Hamburg. Die Hanseaten hatten mit 14 weiteren Verbraucherzentralen, darunter auch die VZ Berlin, 3225 Lebensmittel in 93 Geschäften überprüft. Das Ergebnis rückt den Handel in ein schlechtes Licht: In 601 Fällen – und damit bei fast jedem fünften Produkt – fehlte der Grundpreis völlig, kritisieren die Verbraucherschützer. Bei den anderen 2624 Preisschildern war über die Hälfte fehlerhaft. Entweder wurde eine falsche Bezugsgröße verwendet oder der Handel hatte den Grundpreis falsch ausgerechnet, heißt es in der Studie. Hinzu kommt, dass der Grundpreis nach Meinung der Verbraucherschützer oft zu klein gedruckt oder aus anderen Gründen schlecht lesbar ist. „Ein unkomplizierter Preisvergleich ist unter diesen Bedingungen nicht möglich“, bemängeln die Verbraucherschützer.

Das ist problematisch, weil die Hersteller seit April vergangenen Jahres frei sind in der Wahl ihrer Verpackungsgrößen. Nur für Wein, Schaumwein und Spirituosen gibt es noch feste Füllmengen. Bei allen anderen Produkten können sich die Produzenten aussuchen, wie groß die Packungen und wie voll sie sein sollen. Verbraucher können daher seit dem vergangenen Jahr nur noch über den Grundpreis Preisvergleiche anstellen und so unter verschiedenen Produkten ihre Auswahl treffen.

Doch in der Praxis scheitert das an der Inkompetenz des Handels, kritisiert die VZ Hamburg. Man habe den Eindruck, „dass elementare Fachkenntnisse zur Grundpreisangabe fehlen“, moniert die VZ. Neben klaren gesetzlichen Vorgaben für die Preisangabe fordern die Verbraucherschützer von den Ländern daher auch eine bessere Kontrolle der Läden.

Der Handel weist die Vorwürfe der Verbraucherschützer zurück. „Die Darstellung ist maßlos übertrieben“, sagte Kai Falk, Geschäftsführer des Handelsverbands HDE, dem Tagesspiegel. „Wenn man das gesamte Sortiment betrachtet, sind die Fehlerquoten gering.“ Die Verbraucherzentralen hatten sich für ihren Marktcheck auf Milcherzeugnisse, Kondensmilch, Puddingpulver, Obst- und Gemüsekonserven sowie Tütensuppen beschränkt. Nach Meinung des HDE verfälscht das das Bild. „80 Prozent aller Angaben sind sehr gut“, betont Falk, „der Großteil ist ordentlich gekennzeichnet.“ Heike Jahberg

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