Wirtschaft : Falsche Signale für die Bahn

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Von Dieter Fockenbrock

Seltene Einigkeit herrscht in einer wichtigen verkehrspolitischen Frage: Die Bahn soll vorerst nicht an die Börse. Der Eigentümer, vertreten durch den Bundesverkehrsminister und der Vertreter des wichtigen Arbeitnehmerlagers, TransnetChef Norbert Hansen, wollen den letzten aber entscheidenden Schritt der Bahnreform hinauszögern. Und Chefmanager Hartmut Mehdorn verweist auf die entscheidende Rolle des Eigentümers Bund. Nach Meinung von Manfred Stolpe muss sich die Bahn nicht schon in zwei Jahren mit Daimler-Chrysler oder Siemens auf dem Börsenparkett messen.

Dass der Alleinaktionär die Bahn nicht treibt, könnte Jubel auslösen. Im politischen Lager, weil die Debatte über die weiteren Schritte zur Privatisierung des großen Bundesunternehmens in aller Ruhe geführt werden kann. Im Management und in der Belegschaft, weil das den dramatischen Druck der letzten Jahre auf Kosten und Gewinne – wegen des erwarteten Börsengangs – nimmt. Denn für die Börse muss man schon Jahre vorher mit Spitzenwerten glänzen.

Dass der Bund mit seinem Rückzug den Druck aus dem Kessel nimmt könnte aber genau das Problem der Bahn in den nächsten Jahren sein. Die Verschiebung des Börsengangs auf den Sankt-Nimmerleins-Tag und die Absage an das Ziel einer Volksaktie „B“ wirken wie eine Einladung zur Rück-Verstaatlichung der Bahn. Das Signal ist eindeutig: Die Politik will auf jeden Fall weiter mitreden und mit „ihrer“ Bahn weiter Verkehrspolitik machen. Das ist zwar das gute Recht des Verkehrsministers, aber es ist schlecht für das Unternehmen Bahn, das bislang ohnehin mehr schlecht als recht auf der Privatisierungsstrecke vorankam.

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